
Sonntag, 02.10.2011:
Die Anreise lief perfekt, wir sind pünktlich zum Mittagessen in Bardonecchia angekommen und machen erst mal mit Valeria und Gino im Garten Brotzeit. Es ist weit und breit keine Wolke in Sicht und die Temperatur ist wie im Hochsommer, laut Wetterbericht soll´s auch den Rest der Woche so bleiben.
Um 13Uhr starten wir in die Aufwärmrunde. Wie letztes Jahr stechen wir gleich hinterm Haus in den Wald in Richtung „Disneyland“. Dieses Jahr sind wir wieder komplett, das Schultereckgelenk von Jürgen ist wieder heile und er kann nach einem Jahr Genesungszeit auch wieder mit seiner ALP spielen. Selbst im tiefsten Wald ist es staubtrocken, dank einer spaßigen Direttissima erreichen wir aber schnell die Baumgrenze und sind Schwupps die Wupps auf dem „immer an der Wand lang Trail“ in Richtung „J.d.B“. Die Abrutschungen unterhalb der markanten Felsennadel haben sich seit letztem Jahr nicht großartig Verändert, aber s Herzer´l bumpert allein beim Anblick scho wieder a bisser´l schneller. Damit Jürgen erst gar nicht groß zum Nachdenken kommt, fahren wir recht flott bis auf den Grat hoch. Der sich urplötzlich auftuende Anblick ist einfach geil, ganz hinten die „Ruines d. A.“ und der „Passo M.“ und vor uns die steile Scharte ins „Valle G.“. Die ersten 3-4 Serpentinen nehme ich noch Schiebend, danach hab ich mich an den Anblick des Höllenschlundes gewöhnt und fahre durch die Tornantes. Die folgenden Abbrüche an der Felswand lang sind auch nicht wilder geworden, bei den „Ruines d. A.“ genießen wir die Nachmittagssonne.


Die Akklimatisierungsphase ist abgeschlossen und wir tuckern zufrieden in Richtung Colomion um bei Aldo noch nen Cappo zu Schlürfen und den nächsten Tag zu Planen. Dann zurück in Gino´s Basecamp zum Fahrerbier.
Montag, 03.10.2011:
Pünktlich um 8 sitzen wir beim Frühstück und kurz nach 9 fahren wir schon über den ersten Singletrial über Puy in Richtung „Rif R.“. Auf dem Bierhügel ist Anzugserleichterung angesagt, selbst die dünne Softshell Jacke ist viel zu warm. Durch den Zauberwald huschen wir zum Einstieg des „Sentiero Diamante“ und trialen die Auffahrt hoch bis zum Plateau. Servus „Berg“, wir kommen…….aber vorher gibt´s noch eine anständige Brotzeit am „Punta G.“. Die weitere Auffahrt zu den 7 ½ Türmen geht so locker wie nie, einzig beim Anblick des riesen Loches im Weg kurz vorm „Roccia Tagliata“ bin ich kurz zusammen gezuckt.


Als Neuerung steht nun oben ein aus alten Balken und Stacheldraht gebautes Gipfelkreuz, sonst ist alles beim Alten. Da wir das Gebäude jetzt doch schon ausgiebig kennen machen wir uns nach ein paar Gipfelfotos gleich wieder an den Abstieg. Ich fahre die französische Seite runter bis zum ersten „Point of no return“, sieht schaurig aus……ist aber Machbar. Mein Moped wiegt mit dem Paris-Dakar-Tank zwar bloß 80 Kg, aber das Wendemanöver in der Felswand hatte auch seinen Thrill…….es war ein schönes Gefühl wieder heil am „Col d.C.“ zu sein. Danach noch zehn Minuten Hoffen das der liebe Gott das Loch am gespaltenen Felsen erst nach unserem Passieren komplett runter krachen lässt und Ruck-Zuck waren wir wieder am „Lago D“. Beim nächsten Stopp vor der Auffahrt zum Baum sucht Jürgen verzweifelt seinen Trinkschlauch. Es sah Witzig aus wie er mal mit der rechten, dann mit der linken Flosse versuchte hinter seinem Rücken den Schlauch zu Fassen…………aber wo kein Rucksack……..da kein Trinkschlauch! Ouuuhhhh Scheisse, er hatte seine Rucksack beim Ratschen mit den Ösi-Enduristen am „Lago D“ liegen lassen. Ist ja Gottseidank nicht weit und mit meinem Spielzeugmoped bin ich auch schnell oben. Nach einem weiteren kleinen Ratsch mit den Ösi´s bring ich dem Durstigen sein Daypack und wir spielen quer durch den Wald zurück zur „Nordbräu-Tanke“.

Dienstag, 04.10.2011:
Wie im letzten Jahr steht heute die „Gesellenprüfung“ an. Bevor wir uns in die Auffahrt zum Rho stürzen, reißen wir uns an der ersten Bachdurchfahrt die überflüssigen Klamotten vom Leib. Sigi hat ja insgeheim gehofft dass ihn ein weiterer Reifenschaden vor den bevorstehenden Strapazen retten würde……….Bis zur großen Abrutschung komme ich mit ner „0“, die letzten 50 Meter bis zur zweiten Bachdurchfahrt wird daraus ein „3er“. Für Sigi und Jürgen werden die letzten 50 Meter zur ersten Belastungsprobe, aber sie beißen sich tapfer durch. Die nächste Schlüsselstelle nach der rechts-links Kehre komme ich ohne Probleme durch und kann den nächsten Rast bis zur „Refugioblick-Alm“ raus schieben. Nachdem die beiden ihre ALP´s ein paar mal in den Berg geschmissen und auch die Felsstufen überwunden hatten, startete ich zum Finale. Vom Refugio aus konnte ich dann das Leiden beobachten. Nun sind die beiden auch „Finisher“. Wie immer blies oben am Gipfelkreuz ein saukalter Wind von den Franzmännern rüber und wir sind gleich wieder runter gefahren. Beim Rifugio haben wir uns dann getrennt, Sigi und Jürgen sind den normal Weg und ich den „Richtigen“ runter. Ich hatte es nämlich eilig wieder ins Nigritella zu kommen, Gino wollte mit am Nachmittag zum geografischen Höhepunkt mit uns!

Jürgen und Sigi waren nach ihrer Erstbefahrung des „RHO“ leicht Kaputto und mussten erstmal Relaxieren. Gino und ich starteten mit „Freieseite Andreas + Sandra“ um 14Uhr zum Abenteuer „3333Hm“. Er führte uns über einen wunderschönen und ewiglangen Singletrail über dem „Valle R.“ bis zum Einstieg ins Abenteuer. Sandra hat sich ausgeklinkt und ist alleine zum Sömmailabladdöö gefahren, wir haben nochmals den Luftdruck in den Reifen angepasst und dann ging´s los. Frei nach dem KTM Werbeslogan „Kein Weg ist das Ziel“ tanzte Gino mit uns über Geröllfelder und blankem Fels den Hang hoch. Bereits 20 Minuten später waren wir auf gleicher Höhe wie der Chabo und haben das Panorama genossen, das Ziel war bereits in Sichtweite. Gino fährt mit uns aber erstmal in eine ca. Hundertmeter tiefe Schlucht um dann von hier den „Punta S.“ zu Entern. Als wir auf dem Grat der zum Gipfel führt ankommen, werden wir von einem unglaublichen Panorama überwältigt. Wir stehen direkt an der Kante, über 300 Meter unter uns das Sömmailabladdöö mit dem Rest des Gletschersee´s und ganz weit hinten der Monte Bianco. Wir müssen nochmals ein paar Höhenmeter runter um dann in den finalen Aufstieg zum „Stoamander´l“ zu Stechen. Oben angekommen muss ich als erstes Gino umarmen, laut GPS stehen wir auf 3337Hm und wir sind Glücklich. Unten sehen wir Sandra und auch Jürgen und Sigi haben sich nochmals aufgerafft und stehen am Plateau, sie sehen aus wie Ameisen.

Nach der Film- und Fotoorgie geht´s wieder runter, wir fahren diesmal auf direktem Weg bis zum „Rastpunkt 1“ wo Gino seine Montesa tränkt. Dann verlassen wir den Pfad und trialen durch eine absolut unwirklich erscheinende Landschaft in Richtung „Valle F.“. Quadratkilometer große Schotterfelder und „Dünen“ aus Geröll, wir surfen über das lockere Gestein runter bis ins Tal und dann donnert Gino einfach links den Wiesenhang hoch. Die knapp 300Hm haben es zum Abschluß nochmal richtig in sich, metertiefe Querrinnen und hohe Stufen, und das alles im bereits recht steilen Schräghang. Als unsere Mopeds oben in die Horizontale kippen stehen wir am „Col Basset“. Als wir unterhalb des „Forte J.“ in die Direttissima zum „Forte F.“ einsteigen stoppt uns ein platter Vorderreifen an Andreas REV. Mit vereinten Kräften und Material ist der Defekte Schlappen wieder dicht und es geht im halbdunkeln einfach gerade runter, dann nochmal das gleiche vom „Forte F.“ quer durch´s Gehölz bis ins Fahrerlager zum wohlverdienten Bier. Dieser Tag war einfach nur der Hammer!

Mittwoch, 05.10.2011:
Zum Warmup fahren wir heute die „Bob-Bahn“ hoch, eine aneinander Reihung von ca. 10 – 15 Kehren einer MTB-Downhill Strecke……Gottseidank kommt von oben kein Radler ;-). Durch´s Disneyland geht´s dann wieder zu den „Ruines d. A.“. Wir rollern runter ins Land der Froschverzehrer und schleichen uns durchs „Vallon d. O.“ bis zum „Col d.D.“ , dann an einem riesigen Meteoritenenkrater vorbei den Stich hoch zum „Colle d. L.“. Von hier sieht man die komplette „Westabfahrt“ des Chabo…….gut dass ich Vorgestern nicht weitergefahren bin!

Über geile Wege geht´s bis Claviere, wir biegen mitten im Ort gleich wieder scharf rechts ab in den nächsten Single Trail in Richtung „Lac Saurel“……….der geht bis kurz vor der Liftstation oben am See, nur noch geil. Am See herrscht Totenstille, die beide Spuren des Widowmaker sind einen halben Meter tief ausgefräst………. durch die extreme Trockenheit ist er Boden regelrecht aufgebrochen. Ich tuckere die Mädchenauffahrt seitlich hoch, danach fahren wir den Standartweg nach Cesana und dann ist´s Zeit für nen Cappo in Olux. Die Waldwege auf der linken Talseite führen uns dann wieder zurück nach Hause.


Donnerstag, 06.10.2011:
Am letzten Fahrtag wollen wir nochmal was neues Ausprobieren, bis zu den „Ruines d. A.“ geht´s wie am Tag zuvor und dann gleich weiter zum „Passo M.“. Von hier soll´s auf direktem Weg nach GPS Luftlinien Routing zum „Rif R.“ gehen.
Über Trampelpfade geht´s steil nach unten bis zur „Madonna d. S.“ und danach gleich wieder steil hoch zur „C. d. G“. Hinter dem Gemäuer ist der Pfad durch einen Felsschlag auf ca. 50 Meter weg und nicht mehr „ALP-tauglich“, scheisse……2Km vorm Ziel. Wir sind dann einfach nen Holzrückerweg runter bis Puy und dann die normale Auffahrt wieder hoch zum Rifugio. Nach einer zünftigen Brotzeit sind wir dann nochmals durch den Zauberwald und über den „Sentiero d. Oro“ hochgefahren und haben wie jedes Jahr unseren Freund das Wurzelmanschger´l getroffen. Dann noch hoch zum „C.d.G“, Abschied nehmen vom „Berg“……es gibt keinen schöneren Ort dafür!

Zum konditionellen Verfall holte sich Sigi noch nen Platten ab und ist damit in einem sensationellen 10Km Drift über die Teerstraße bis zum Cappo in Bardonecchia gedonnert. Da es noch recht früh am Nachmittag war und Jürgen auch fertig war, bin ich nach der Aufnahme des koffeinhaltigen Heißgetränks nochmals alleine Losgezogen. Über Gino´s Singletrails bis zur Staumauer des Lago d. Rochemolles, die linke Seite wieder runter und dann über geilste Trampelpfade bis zum „Forte F.“ Beim klassischen Abschiedsfoto „Moped im Abendlicht auf der Panzerkuppel – Jafferau im Hintergrund“ hätt´s mir fast wieder die Tränen rausgedrückt, was für eine geile Tour!

Wie immer bin ich auch dieses Jahr der Meinung, diese Tour ist nicht zu Überbieten! Absolutes Traumwetter, keiner hat sich was Getan, nur lustige Gäste bei Gino ezätäraezätära……Fantastica.
Nächstes Jahr wird´s trotzdem probiert.
Mikka + Sigi + Jürgen