Chabo-Tour 2010
(Text RoadyBernd, Fotos Teilnehmer)

Anm. der Red. :
Dieses Jahr war die Chabo-Tour zeitlich etwas aufgefächert, am Wochenende vor der Tour war Mikka mit der Beta-Alp + EEG&friend (siehe separaten Bericht) vor Ort, die ersten Tage war Roady Bernd allein auf dem Berg, dann kam ab Mittwoch die "normal"-Chabo-Tour dazu, die dann am Sonntag von der Chabo-Revival-Tour (siehe separaten Bericht) abgelöst wurde.


Prolog

Dienstag, 05.10.2010  --> Die Fahrwoche begann nach Abzug eines Tiefdruckgebietes vielversprechend mit klarer Luft und strahlend blauem Himmel. Allerdings hatte der anhaltende Regen der vorangegangenen Nacht die umliegenden Berge ab ca. 2500m mit Neuschnee versehen.

Der Autor und einige ambitionierte Mitstreiter und Mitstreiterinnen (Anmerkung des Autors: die „Strada del Sciovia“ unterliegt keiner Geschlechtsbeschränkung) wagten sich trotzdem zum Silver-Sörfen auf den Hausberg von Bardonecchia.



Mittwoch, 06.10.2010 --> Jafferau (Auffahrt Gleise) – Fort Foens – Eclause – Susa – Col de Finestre – Assietta – Sauze d’Oulx - Oulx

Donnerstag, 07.10.2010  -->  Die alljährlichen Unwägbarkeiten und letztminütlichen Änderungen in der Zimmerplanung stellten unsere Wirtin Valeria von beträchtliche logistische Herausforderungen. Es führte zu diversen kurzfristigen Zimmerwechseln aber wie immer wenn vermeintliche deutsche Gründlichkeit auf italienische Flexibilität trifft hat am Abend jeder wieder ein passendes Bett für die Nacht.
In der Früh fanden sich die wackeren Reiter Jochi, Markus, Erhard, Stefan, Matze, Michl, Arco sowie zwei Gäste aus dem Mattighofener Umfeld zur Abfahrt ein. Und sogar ansatzweise pünktlich, wenn man mal von Erhards ansehnlichem Strip zur Anlage aller Protektoren auf dem Hof des Hotels absieht, hier amüsiert betrachtet von Stefan.

   Hr. Kaiser waaaartet

Jochi hatte wieder die Qual der Wahl des Testfahrzeuges und entschied sich zum kleinsten verfügbaren Hubraum (390) aus dem Husaflach-Portfolio. Es ist nicht bekannt, ob Stefan aufgrund der ähnlichen Farbe zu seinem 520er Alteisen dieses Fahrzeug anpeilte oder auch mal was Moderneres testen wollte.

So starteten wir bei idealen äußeren Bedingungen zum ersten Ziel des Tages, des jahrelang ignorierten Hochzieles „M“. Der Einstieg in den Weg war, verbunden mit einer kleinen Rundfahrt durch die Villenviertel von Bardonecchia, schnell gefunden. Steil bergauf ging es durch die traumhaft bunt gefärbten Wälder über die Baumgrenze und zum ersten Gruppenfoto am Gipfelkreuz.



Der eigentlich anschließende Weg zu den militärischen Anlagen ist nachhaltig abgerutscht und dürfte selbst die Trial-Sektion vor Herausforderungen stellen.

Aufschrei bei einer kurzen Orientierungspause bei der Abfahrt. Die Gabel an Erhard’s BMW-Museumsmodell wurde als undicht identifiziert, mit Leckagepotential auf die Bremsscheibe. Aber dank Stefans komplettem Werkzeugsortiment im Expeditionsrucksack konnte mittels Fühlerlehre der Simmering gereinigt und wieder dicht bekommen werden.



So ging es über die wunderschön angelegten Serpentinen wieder hinab ins Tal und hinüber zum nächsten Hochziel, dem altbekannten Colle S. Die Auffahrt zeigt sich leergefegt und gut befahrbar, nur bei der kurzfristig eingebauten Variante links an der Staumauer vorbei kommt es zu kurzen Stauungen an einer kleinen Steilauffahrt.

Das Hochplateau am Colle S. präsentierte sich mit ca. 10cm schmieriger Neuschneeauflage. Von der Anfahrt offenbar nicht ausgelastet unternahm Herr S. aus M. ein paar gymnastische Übungen.


Auch der Widowmaker II zeigt sich komplett eingeschneit, so wird die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang genutzt. Soll noch einer sagen die EEG würde nur mit dem Moped über die Berge fahren ...

  

  Zwischenzeitlich hatte sich der Museumsbike-Reparaturtrupp am Endpunkt eingefunden und so wurde Gruppenbild II aufgenommen:


Und da Bewegung bekanntlich Appetit erzeugt wurde als nächstes Etappenziel die Pizzeria „La Filanda II“ in Bardonecchia angepeilt. Inzwischen waren auch Drossel-Jörg, Ällen, Jürjen und Sebbb in Bardonecchia eingetroffen und gesellten sich zu uns.

Und man sich nach einem reichhaltigen Essen wieder bewegen sollte ging es hinauf auf den Colle R., aufgeteilt in Männer- und Mädchengruppe auf den jeweiligen Fahrwegen. Wie schon in den Vorjahren demonstriert Jochi sein herausragendes Fahrkönnen auf der Herrentour indem er die steilsten und gröbsten Abschnitte mehrfach hinauf und hinab fährt, um den Zurückgebliebenen die passenden Fahrtipps zu geben.


Als der letzte Delinquent am Sattel ankam, war dieser angesichts der fortgeschrittenen Stunde schon stark beschattet.


Dem Lockruf der Sonne folgend ging es noch ein Stück hinauf um das Gruppenbild III ins rechte Licht zu rücken bevor endgültig wieder der Abstieg ins Tal und zurück zum Hotel begonnen wurde.  


Die abendliche Schrauberaktion fand diesmal an Sebb’s Oldtimer statt, dem ein frisches Vergaserschieberplättchen implantiert wurde.


Freitag, 08.10.2010  -->  Offensichtlich hatten einige Teilnehmer am Vorabend nicht aufgegessen, denn der Himmel zeigte sich hochnebelig. Die neuerlich gestiegene Teilnehmerzahl brachte eine Aufteilung in 3 Gruppen mit sich:

·         SSCG (Super-Senior-Cappuchino-Group), angeführt von Hanno mit Jürjen und Sebbb

·         RSG (Relaxed-Senior-Group), angeführt von Stefan, mit Maaakus, Matze, Michl

·         ASG (Ambitioned-Senior-Group), bestehend aus Jochi, Arco, Ällen, Orga-Hacht, Drossel-Jörg, orientierungs- aber nicht fahrtechnisch angeführt vom Autor

Primäres Ziel des Tages war der altbekannte Mont C.

Über den Col des A. und den Passo M. fuhr die ASG weiter über Chateau und Beaulard auf goldenen und diamantenen Wegen zum Lago D. Die Sicht wurde erst ab dem gespaltenen Felsen besser. War auch gut so, denn die Straße ist gegenüber den letzten Jahren wieder in deutlich schlechterem Zustand und der Nebel verdeckte den Blick in die Abgründe.

Die Kehren zum Gipfel waren erkennbar mit reichlich Schnee gefüllt. Jochi übernahm die erste Führungsrolle und fräste seine 390er hinauf bis am Wachhäuschen vorbei auf ca. 3200m. Der tiefer werdende Schnee lies die Frage nach der Sinnhaftigkeit unseres Tuns aufkommen. Allerdings wollte sich Drossel-Jörg nicht mit der Idee anfreunden.

Nachdem er seine EXC beim Einparkversuch fast den Hang hinab geworfen hätte, fräste er sein treues Ross mit spotzendem Motor und Männerreifen mehr schiebend als fahrend den weiteren Weg entlang. Jochi fasste die Situation prägnant zusammen: „Jetzt hat er uns in eine Scheiß-Situation gebracht. Jetzt müssen wir auch alle hinterher...“

Aber dank der Vorbereitung von Jörg waren die letzten Höhenmeter schnell überwunden. Hier begrüßt Road- bzw. Snowmaster Jörg den Chabo-Novizen Ällen auf dem Berg der Berge.

      

Nach kurzem Plausch mit italienischen Wanderern, die uns freundlich mit Feigen bewirteten und beim Gipfelfoto unterstützten, ging es wieder hinab über Fenils zum mittäglichen Treff in die sehr empfehlenswerte Pizzeria „Locus“ in Oulx. Dort erwarteten uns bereits die RSG und SSCG, welche durch die Neuankömmling Icke verstärkt wurde.

     

Anmerkung: es war nur eine Karaffe Rotwein auf dem Tisch. Und dann wollen auch wir den eigentlichen Anlass unseres Besuches in Italien nicht vergessen:

 

Zur Verdauung führte die Route der ASG über Solomiac und schöne Singletrails auf den Monte F. Hier sieht man recht schön die obere Nebelgrenze, welche nur die Spitzen des Assietta-Kamms durchstoßen lässt. Und natürlich den Berg der Berge.

   

Leider immer noch ohne Höhensonne ging es weiter über Skipistenwartungswege nach Sestriere und weiter über Bousson und Lago N. zum Lago SC und Widowmaker. Dort konnten wir die RSG zwar hören, aber aufgrund des dichten Nebels nicht sehen.

Aber die fehlende Sicht hat auch ihr Gutes, denn ohne zu wissen wohin man fährt wird der Rat des Großmeisters „Lass sie schreien!“ leichter angenommen und so fand auch der Autor im vierten Anlauf den Weg auf den Gipfel. Auch andere, in den Vorjahren noch gescheiterte Probanden, inklusive Orga-Hacht und seine Unstoppable, erklommen die nebeligen Höhen. Über viele vergebliche Versuche hüllte der Nebel den Mantel des Schweigens.


Ällen scheitert kurz nach dem Autor beim ersten Versuch.


 Sebbb abgehoben von Pussy-Sitzbank


Michl überholt den Autor beim 2. Versuch


Auch Erhacht brüllt die Museums-BMW zum Gipfel.

 


Schließlich wird der Hahn soweit aufgedreht dass es selbst den Meister an der Kamera überrascht, oder war es die Dynamik des Big Blocks?


Die alte EXC bleibt würdevoll unterhalb der Meister-Berg stehen.

Der Heimweg führte zu einer Irrfahrt im dichten Nebel durch das Skidorf am Colle Bercia, schließlich konnte der richtige Weg per GPS Routing ins Tal gefunden werden.

Samstag, 09.10.2010  --> Ob es an der Inversionswetterlage oder an wiederum nicht völlig verzehrten Gängen des wie immer vorzüglichen Abendessens lag kann wohl nicht mehr abschließend geklärt werden. Aber der Nebel sollte durch sportlichen Aufstieg in größere Höhen überwunden werden. Da die Auffahrt zum Monte J. auf mindestens 3 verschiedenen Wegen möglich ist wurden wieder entsprechende Gruppen gebildet.

Auf wundersame Weise trafen sich schließlich alle 3 Gruppen auf dem Gipfel zum obligatorische und jetzt vollständigem Gruppenfoto IV.


Da es niemanden vorzeitig in die nebelgefüllten Täler zog wurde der Platz an der Sonne für verschiedenste sportliche Übungen und Exkursionen genutzt.

Jochi erklimmt und Sebbb hängt einhändig am Haken:


Fenster mit Ausblick:


Noch ein paar Impressionen über den Wolken!

Der Vorberg hier im Bild wurde als Ziel für den Nachmittag auserkoren:  

Nächster Tagesordnungspunkt sollte wieder die Pizzeria in Bardonecchia werden. Die Anfahrt verzögerte sich durch Arco: am letzten Fahrtag von Mousse auf Schlauchreifen gewechselt, sammelte er die Reste einer rostigen Schere auf, die mutmaßlich der Duce bei seinem Besuch der Festung im Jahre 1940 dort verloren hatte, als er solidarisch die Lebensmittelmarken mit seinen Soldaten schnitt.

Von herbeigerufenen Pannenhilfsdienst „Hanno“ konnte ein Ersatzschlauch zur Verfügung gestellt werden. Da unser Präsi aber bekanntlich sehr reifenschonend fährt dürfte sich der Ersatzschlauch schon länger im Notfallpaket befunden haben. Der Reparaturtrupp entzifferte eine Aufschrift die in etwa „Made in Germany – American Zone of Occupation“ gelautet haben soll. Weitere Identifizierung war angesichts des beim Kontakt mit der Bergluft sich rapide zersetzendem Materials nicht mehr möglich ...

Weitere Ersatzteilanforderungen liefen leider kommunikationstechnisch ins Leere, und so trat Arco mit plattem, nur mit Kabelbindern gesichertem Reifen die Abfahrt zur Pizzeria an. Der Höhenrausch stand manchem Teilnehmer noch ins Gesicht geschrieben:

Nach dem Essen wurde Jochi verabschiedet und die restlichen Reiter machten sich zurück zur Verdauung an den Platz an der Sonne, diesmal am Passo M. Es stellte sich eine gewisse Trägheit ein ...






Erhacht wollte die Sonnenstrahlen ganzheitlich genießen, über den daraus resultierenden neuen Spitznamen möchte ich mich an dieser Stelle in Schweigen hüllen …

 Anmerkung der Red.:
 Hier unser

   "Hünerbrust-hacht "

Boa ich bein ein Held ich habe ein Haar
auf der Brust ....... 


Zurück am Punta C. teilte sich die Truppe. Ein paar nimmermüde Fahrer scharrten sich um Orga-Hacht um noch den Bierhügel zu erklimmen. Leider kamen sie nicht mehr so weit, denn Drop-Hacht negierte versehentlich den Traktions-Schalter der Unstoppable, die daraufhin an nassen Wurzeln auf einem Singletrail hinunter nach Beaulard den direkten Weg den Hang hinab wählte. Die Bergung kostete wertvolle Tageslichtzeit.


Epilog:  Wie in den Vorjahren hatten wir phantastische Fahrtage, auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte und der Nebel manche Aussicht verwehrte. Die Aufteilung in mehrere kleine Gruppen erwies sich als sehr vorteilhaft um die Toleranz der einheimische Bevölkerung und Behörden nicht über Gebühr zu strapazieren und die wunderbaren Strecken in aller Ruhe zu genießen.