Piemont 2008
(Text + Fotos Mikka)

Samstag, 04.10.2008:

Ein Jahr endlose Warterei ist endlich vorbei. Um 6Uhr in der Früh geht´s mit den drei gelben auf dem Anhänger los, nur noch 761Km bis zum Ziel.

4 Stunden später, wir sind schon am St. Bernardino, bekommt die überschwängliche Stimmung einen kleinen Rückschlag. Um uns herum ist´s plötzlich Winter, die Schneeflocken tanzen gar lustig um uns herum. Was erwartet uns in Bardonecchia, wenn´s hier auf knapp 1700 Metern schon so aussieht? Mit jedem Kilometer dem wir Milano näher kamen stieg die Temperaturanzeige wieder an, als Turin im Smog hinter uns verschwand standen 22 Grad auf der Anzeige und die Sonne grinste mit uns um die Wette. Um Punkt 15Uhr gab´s den ersten Cappuccino in Bardonecchia, es ist vollbracht. Jetzt noch schnell die drei Mopeds abgeladen und dann gibt´s das erste „Besprechungbierchen“.

Sonntag, 05.10.2008:

Nach einem für Italien eher untypischen Frühstück ging´s dann endlich richtig los. Erstes Ziel war der Sommelier. Eine Stunde später standen wir bei strahlendem Sonnenschein oben auf dem Plateau.

Dann durch den Wald zum Forte Foens und hoch zum Jafferau. Nach einem Cappuccino am Bahnhof von Bardonecchia wurde das letzte Ziel für den heutigen Tag rausgesucht, eine Stunde später standen wir dann am Gipfelkreuz von Col Rho……zugegeben, über den Schwiegermamaweg.
Das waren dann insgesamt 115Km und 4500 Höhenmeter.

Montag, 06.10.2008:

Ein langer Tag steht uns bevor, Fahrtechnisch nix anspruchsvolles, aber man will ja auch mal ein bisschen was sehen. In Oulx steigen wir zu unserer längsten Runde ein. Über die Assietta zum Col de Finestre runter nach Susa. Auf der anderen Seite wieder hoch und über die Steinauffahrt hoch zum Lac de Mont Cenis. Die Aussicht vom Fort Turra war gigantisch. Beim zurückfahren noch im Fort Variselle nach dem Rechten geschaut und dann das ganze wieder zurück.
Nach knapp 10 Stunden standen dann weitere 210Km und 6200 Höhenmeter auf dem GPS.

Dienstag, 07.10.2008:

Heute wollen wir ein bisschen spielen gehen. Das Ziel liegt auf 3131 Höhenmetern. Zum Aufwärmen fahren wir über den Colomion und dann gleich in Richtung Chateau. Die Singletrails im Wald sind super griffig und Spaß pur. Der Ausblick vom Lago Dessertes zum Berg hat in der Nachmittagssonne schon was Majestätisches. Die reguläre Strecke wurde seit letztem Jahr weiter saniert, hinter dem gespaltenen Felsen sogar teilweise betoniert. Das anstrengendste bzw. geilste Stück ist die Auffahrt zum Sattel, da sieht’s nach wie vor aus wie bei Hempels unterm Sofa.

Die Aussicht vom Gipfel ist traumhaft, strahlend blauer Himmel und weit und breit keine Wolke. Das einzige was fehlt ist das Holzschild, mich wundert’s dass noch keiner das goldene Kruzifix geklaut hat. Nach einer ausgiebigen Festungsbesichtigung haben wir dann aus Zeitmangel den Abstieg über Pra Claud/Fenils gewählt.
Insgesamt 90Km und 4400 Höhenmeter.

Mittwoch, 08.10.2008:

Das Wetter spielt heute nicht ganz so mit, es ist wolkig und kalt. Wir starten mit der Auffahrt zum Tre Crocci. Da die Sicht gleich null ist, erforschen wir die komplette Bunkeranlage oben im Berg. Ist schon irgendwie ein komisches Gefühl wenn man durch die endlos langen Tunnel und Gänge schleicht. Nächstes Ziel, Passo Mullatiera. Als wir ziemlich verfroren am Colomion ankommen, holt uns Aldo gleich rein. Seine Frau heizt den Ofen an und es gibt Pasta, Pasta und nochmal Pasta. Mit vollen Ranzen fahren wir dann hoch zur Festung, auch hier wurde der komplette Weg instand gesetzt und ist zumindest 4x4 tauglich, schade! Da sich das Wetter nicht bessert fahren wir gleich wieder runter nach Bardonecchia, Capputime am Bahnhof.
Insgesamt nur 80Km und 3600 Höhenmeter.

Als wir bei Gino auf den Hof rollen ist auch schon das  erste Münchner Auto da. Wer schaut denn da zur Garage rein - Klein, alt und dick - das kann nur der Hanno sein. Nach und nach trudelt auch der Rest der Gang ein, dieses Jahr mit einem ganz besonderen Mitfahrer. Ein Virtuose auf der Enduro, Jochi Sauer mit der neuen 450er Berg!

Donnerstag, 09.10.2008:

Letzte Nacht hat es wieder ein bisschen geschneit, aber die Sonne ist zurück und hat den blauen Himmel gleich mitgebracht. Heute wollen wir nochmals über den Jafferau, allerdings „a-tergo“. Ab ca. 2600 Höhenmeter liegt auf der Nordseite Schnee, ganz leicht überzuckert, eine Traumkulisse.

Danach durch den Wald und über die Singltrails und Holzrückerwege hoch zum Rif Rey und nach Oulx. Nächste Station: Lago Sette Colori / Widowmaker. Es herrscht reger Verkehr als wir am See ankommen, Hanno´s Truppe hat mächtig Spaß. Und hier können wir dann auch die Fahrkünste von Jochi Sauer bewundern. Jeder versucht durch die ganzen Beschleunigungswellen soviel Schwung wie möglich mitzunehmen…..fast jeder. Der Virtuose Jochi fährt in entgegengesetzter Richtung um den See, bleibt kurz stehen, biegt dann links ab und fährt aus dem Stand ganz locker den Hang hoch. Als ob wir uns unserer lächerlichen Fahrkünste noch nicht bewusst wären, setzt er noch einen drauf. Er dreht oben um und schießt den Hang mit unglaublicher Geschwindigkeit wieder runter, im Highspeeddrift um den Weiher und drüben wieder hoch. Da haben aber allen die Äuglein getränt. Und dann war ich an der Reihe, die ersten zwei Versuche dienten rein der „Spursuche“, im oberen Drittel bin ich verhungert. Das gibt´s doch nicht, letztes Jahr stand ich beim zweiten Versuch oben? Also nochmal, im dritten Gang bei geschmeidiger Drehzahl zieh ich am Querweg vorbei, zurück in den Zweiten und zwischen die zerfurchten Spuren gewechselt, juchuuuu….…ich seh´mich schon oben stehen……..den Rest im ersten Gang. Vielleicht hätt´ich´s doch nicht über die Felskanten versuchen sollen? Das Mopped fliegt nach oben und ich runter, kurz vorm Klo in die Hose gemacht oder so ähnlich. Es war eine elende Plagerei das gelbe Luder aus dem Hang zu bergen, und da ich bei der Aktion die Kupplungsarmatur gekillt habe, gab es auch keinen weiteren Versuch mehr. Geil war´s trotzdem.
Nach 130 feinsten Offroadkilometern und 5100 Höhenmetern gingen wir wieder zum gemütlichen Teil über.

Freitag, 10.10.2008:

Schade, der letzte Fahrtag……andererseits auch ganz gut, denn eigentlich sind wir körperlich schon am Ende bevor er angefangen hat!                                                                                        



Zu zweit versuchen wir die Herrenauffahrt zum Col Rho, der Rest nimmt gleich den Schwiegermamaweg und kann von dort unser Leiden beobachten. Irgendwo nach der zweiten Bachquerung haben wir japsend und frustriert aufgegeben, sind dann auch wieder den Schwuchtelweg gefahren. Da heute nochmal Traumwetter war, wollten wir nochmals zum Mullatiera. Die Auffahrt über die Singletrails hat unser Ego wieder aufgebaut. Eigentlich wollte ich noch über die schmalen Trails nach Frankreich runter, aber bevor sich am letzten Tag noch einer was tut haben wir beschlossen auf einen Cappu zu Aldo zu fahren. Ja was steht denn da vor Aldo´s Bar, Gino´s Montesa. Bei Cappuccino und Tabak haben wir auf der Terrasse vom Colomion nochmals die insgesamt knapp 700 gefahren Kilometer und 27000 Höhenmeter analysiert, mit einstimmigen Ergebnis:

Geil war´s

Mikka