Ein Chabo-Reisebericht eines begeisterten EEG-Heimatseiten-Lesers
(wir haben uns kurz an unserem Abreisetag in Bardonecchia getroffen - Mr. 40-Stroke)
Text und Fotos Mikka

Ich bin am letzten Samstag mittags im Susatal angekommen. Von weitem grinste er mich schon an, "DER BERG". Schnell das Zimmer bezogen, das geile gelbe Luder vom Anhänger gezerrt und los geht´s. Das Wetter war nicht so toll aber ich bin ja auch nicht zum Vergnügen hier. Beim ersten Kaputschino oder wie das koffeinhaltige Warmgetränk heißt, hab ich noch überlegt wo´s hingehen soll.............eine gute Stunde später stand ich auf dem "Soumailaer" und die Sonne lachte mich an. Dann wieder runter nach Bardonecchia, Treffen mit Euch. Nach einem weiteren Cappu bin ich dann noch Richtung Jafferau zum Fort Foen hochgefahren.
Das waren dann bis zum Abend knapp 100 Kilometer und 3200 Höhenmeter.

Am Sonntag früh um halb acht weckte mich die Sonne, geiligeiligeili.
Als erstes hoch zum Col Rho, dort hatte ich dann auch gleich den ersten Kontakt mit der Forestale. Nach einem recht lustigen Gespräch haben die beiden für mich entschieden............dreh lieber um, es sind heute eine Menge Jäger hier oben und es gibt ja auch genügend andere Ziele. Also wieder runter und auf der anderen Seite hoch zum Jafferau. Das Wetter war ein Traum, ich hab oben auf 2800Metern im T-Shirt Brotzeit gemacht.
Das nächste Ziel für heute war der sagenumwobene "Widowmaker" am Lago Sette Colori. Oben am See angekommen traf ich drei Tessiner die sich die Steilauffahrt vom Aussichtspunkt ansahen. Irgendwie hatte mich der Mut schon beim rauffahren verlassen, aber jetzt bin ich hier. Zuerst mal runter an den See, die Lage von unten peilen...............ouh Mama da geht´s mächtig rauf. Aber jetzt ist´s halt soweit, und die drei Tessiner glauben mich schon wieder zusammen, wenn´s schiefgeht. Im vierten Gang knalle ich um den See in Richtung Hang............je näher ich ihm komme desto steiler sieht der aus...........die letzten 30 - 40 Meter......ich eiere durch die ganzen Beschleunigungswellen.........nein, das wird nix, scharf recht rein in den Notausgang. Zurück und das ganze nochmal, vierter Gang um den Weiher, am Beginn der Steigung zurück in den dritten, kurz vor dem Querweg in den zweiten und Vollgas...........der Reifen beißt sich in den Hang und das Luder zieht ohne zu Mucken hoch, kurz vor den Felskanten rüber auf die rechte Spur und den ersten Gang reingedroschen, und ich steh tatsächlich oben. Jetzt sind die Tessiner im Zugzwang, sie wählen den KTM-Fahrer mit seiner nagelneuen 08er EXC450 aus. Auch er braucht zwei Anläufe und wir freuen uns wie die kleinen Kinder, daß wir den Hang geschafft haben.

Als ich mich umdrehe schaut "ER, DER BERG" mich schon wieder an, irgenwie ist er allgegenwärtig. Aber heute ist schon zu Spät für so eine Aktion und nach 175 Km und 5000 Höhenmetern ist´s auch genug............wenn aber Morgen wieder so ein Wetter ist???????

Montag Morgen halb acht, die Sonne weckt mich wieder auf und ich bin total aufgekratzt. Die Hausmama versorgt mich wie einen Sohn und gibt mir sogar noch eine anständige Brotzeit mit. Ich beratschlage mich noch mit meinem geilen gelben Luder ob heute der Tag gekommen ist............es kommt keine Reaktion........vieleicht sollte ich Japanisch lernen??????? Zuerst mal das Moped und meine Knochen auf Betriebstemparatur bringen, also hoch zum Passo Mullatiera.

Keine Meschenseele ist irgenwo zu sehen, das sowas von unbeschreiblich geil. "DER BERG" ist von hier nicht zu sehen, aber ich höre ihn rufen. Also runter nach Oulx einen Cappu schlürfen und nochmal inmichgehen. Die Entscheidung zum "ich mach´s" war ja eigentlich schon zu Hause gefallen, doch jetzt kommen halt doch die einen oder anderen Bedenken. Aber wenn nicht heute, wann denn dann??? Alles paßt, die Sonne scheint und es ist richtig warm...........wenn ich auf Morgen warte und es ist Scheißwetter, dann wird´s dieses Jahr wieder nix. Also aufgeht´s, ich fang mal ganz gemütlich an, und wenn ich´s nicht schaffe dann hab ich´s wenigstens versucht. Die Auffahrt bis zum Lago Desertes kostete mich schon eine ganz schöne Menge meiner Kraftreserven, nur langsam Mikka nur laaaaangsaaaaam, denk immer dran Du bist hier ganz alleine! Um exakt 15:34 Uhr stand ich dann oben auf 3131 Metern, mit dem wahrscheinlich breitesten Grinsen auf dieser Welt. Ich hab meinem Freund versprochen, daß ich ihn vom Gipfel aus anrufe, ich habe nur noch ins Handy gejapst vor Glück............und ein wenig Atemnot. Am Abend standen dann insgesamt 128 Kilometer und 5555 Höhenmeter auf dem GPS.

Gestern wollte ich dann noch die letzte offene Rechnung begleichen. Nach einem super Frühstück bin ich zum "lockeren Ausrollen" über den Schwiegermamaweg gefahren und stand dann um Punkt 10Uhr am Gipfelkreuz vom Col Rho.

Irgendwie hat mich dann ein Höhenrausch gepackt, eine Stunde später stand ich oben am Tre Crocci, wieder zwei Stunden später nochmal am Sommellier bei strahlenden Sonnenschein. Um 16:20Uhr war ich dann nochmal oben am Jafferau und hätte heulen können weil es dem Ende zugeht. Beim runterfahren bin ich kurz vor dem Tunnel der Forestale in die "Arme gefahren". Ein bischen Smalltalk aber keinerlei Probleme. Danach hab ich noch einen Australier mit einer DR650 getroffen, der Arme war mit einer Europakarte im Piemont unterwegs...........ich hab´den Burschen begleitet und bin nochmal mit hoch zum Forte Jafferau. Um dreiviertel sieben hab ich dann das geile gelbe Luder wieder auf den Anhänger gezurrt, auf´m GPS standen weitere 160 Kilomter und 6320 Höhenmeter......ein Linienflieger hat auch keine bessere Steigrate.
Hier noch ein paar Buidl´n:

Ach ja nochmals zum Thema Unterkunft. Ich habe für die vier Nächte incl. Frühstück nur 100.- Euro bezahlt, am liebsten wär ich noch den Rest der Woche dageblieben.
Es waren absolute Traumtage, und der nächste Oktober kommt bestimmt. Bis dahin kann ich mir ja die über 300 Bilder ansehen.
Seit ihr auch am Sonntag den 16.Dezember in der Olympia Halle, vielleicht treffen wir uns ja mal auf ein Bier...oder zwei

Gruß aus Manching vom

Mikka