Rennbericht 24h Enduro Langensteinbach

 
Da stehen wir nun, eingekeilt zwischen den Werksteams am Start zu Deutschlands erstem 24-Stunden Enduro. Die Mechaniker und Teammanager wieseln herum, während die Fahrer um uns herum schon den Killerblick aufsetzen. Die 75 Fahrer starten in einen vielleicht 8 Meter breiten Trichter, da bleibt wohl nicht Platz für jeden. Zum Glück hat sich Michelle vorher schon freiwillig als Startfahrer gemeldet, so das ich mir das Geschehen zumindest im Moment noch, in Ruhe anschauen kann. Michelle wirkt 10 Minuten vor dem Start etwas angespannt, will dann unbedingt mit uns tauschen, fügt sich aber dann doch seinem Schicksal. Dafür bekommt er von mir "First Class Werksteam" Startservice, ich halte ihm brav das Moped mit eingeklapptem Ständer und ausgeklapptem Kickstarter. Der Mechaniker neben mir fragt noch, wie "mein" Fahrer denn am liebsten startet ? Lenker links oder rechts ? Gang eingelegt oder Leerlauf ? Als ich mit "keine Ahnung, darüber haben wir noch nie gesprochen! " antworte, ist der erstmal sprachlos. Endgültig platt ist der, als Michelle auch noch schneller startet als sein Werksfahrer, hä hä.
 
Nach 1 Stunde liegen wir auf Platz 49 und Michelle übergibt den Transponder an Milliman. Der dreht erst ein paar zügige Runden und fährt sich aber dann hinter einer stecken gebliebenen BMW im Schlamm fest. Er verliert dabei eine Viertelstunde und kommt danach nicht mehr richtig in Schwung, so das wir auf Platz 51 zurückfallen. Danach übernimmt HeideRaider das Fahren, er trialt gut um den Kurs, dann aber springt ein Baum nicht rechtzeitig aus dem Weg und der Scheinwerfer der Yamaha ist Geschichte ! Da der Yamaha Händler ihm leider keine Lampe verkaufen will oder kann, wird der Yamaha meine KTM Ersatz Lampenmaske verpasst. Wir fallen auf Platz 52 zurück.

 

 
Nun beginnt mein erster Turn, die Strecke ist inzwischen gut eingefahren. Die 75 Fahrer haben sich gut in der Runde verteilt, man kann gut fahren, gut überholen und gut überholt werden. Die Strecke ist Enduro pur, ein echter Genuss. Auffahrten, Abfahrten, Kurven mit und ohne Anlieger, Singletracks, Waldpassagen, Schlamm, einfach alles was zu einer guten Strecke gehört. Ich habe Glück und kann relativ problemlos meine Stunde fahren, so das wir nach gesamt 4 Stunden wieder auf Platz 50 liegen.
 
Michelle übernimmt nun für den ersten Nachtausritt. Für die Nacht hat er oben in der Lampenmaske einen Zusatzscheinwerfer vom Baummarkt montiert. Michelle spult seine 2 Stunden ohne Problem herunter, und wir liegen auf Platz 48. Danach geht Milliman mit seiner Spezialbeleuchtung an den Start, er hat statt der Blinker jeweils links und rechts einen Zusatzscheinwerfer angebaut. Nach ca. 45 Minuten ist die Batterie leer, und mitten im Wald würgt er die heiße KTM ab, und bringt sie mit dem Kickstarter nicht mehr zum Laufen. Nach endloser Kickerei, geht er schließlich zu Fuß zurück zur Wechselzone und fährt noch eine Runde mit meiner KTM. Nach 8 Stunden liegen wir nun unterhalb von Platz 55, die offizielle Anzeige geht nur so weit.

eed_11 Foto Baboons

 
HeideRaider übernimmt von Milliman und fährt wie ein Uhrwerk immer konstante Rundenzeiten. Danach liegen wir auf Platz 55. Nun gehe ich zu meinem Nachteinsatz raus. Ich habe zwei Fahrradscheinwerfer und einen Zusatzscheinwerfer auf dem Lenker angebaut. Der Hauptscheinwerfer leuchtet mit Abblendlicht den vorderen Teil gut aus ( 55 Watt Birne ), die beiden Fahrradlampen leuchten jeweils links und rechts die Seiten aus, und der Zusatzscheinwerfer strahlt bei Bedarf weit nach vorne. Das Ganze funktioniert recht gut, so dass die Nachtfahrt richtig Spaß macht. Die Strecke wird gegen Morgen ziemlich glitschig und es mehren sich die in irgendwelchen Schlammspuren abgestellten Motorräder. Nach Sonnenaufgang übergebe ich wieder an Michelle, der auch wieder fehlerfreie 2 Stunden abliefert, was nach 14 Stunden Fahrzeit, Platz 51 für uns bedeutet.
 
Milliman hat zwischenzeitlich seine KTM aus dem Wald geborgen, das kalte Motorrad sprang mit dem ersten Kick an. Er legt nun einen super 2 Stunden Turn hin, und hält Platz 51. Man kann aber nach seiner Zielankunft, nun deutlich sehen, dass er alles gegeben hat. HeideRaider hat nach 1 Stunde einen Platten im Hinterreifen. Ich setze ihn auf meine 525 und verabschiede mich schon mal von meinem Heck. Aber zu aller Verblüffung, der HeideRaider und die 525 bilden von der ersten Runde an eine perfekte Einheit. Erst nach über einer Stunde kommt er zum geplanten Wechsel wieder in die Box und hat ein breites Grinsen im Gesicht. Danach mussten wir ihn echt dazu drängen, dass er seinen Platten an der 426 repariert, immer wieder zog es ihn zur 525. Trotz des Zeitverlustes wegen des Plattens ist es ihm gelungen, den 51 Platz zu halten.
 
Der Rest des Rennes verlief absolut problemlos, die Strecke wurde noch mal deutlich erweitert, und war zum Schluss wirklich eine absolute Traumrunde. Michelle fuhr in seinem letzten Turn auf Platz 50, Milliman und Heideraider verkürzten den Abstand auf die vor uns platzierten, und ich konnte als Schlußfahrer noch auf Platz 49 landen.
 
Wir sind insgesamt 108 Runden gefahren, das ist natürlich, selbst unter Berücksichtigung unserer Probleme, lächerlich gegenüber den 156 Runden des bestplatzierten Teams KTM Deutschland. Aber, wir haben durchgehalten und hatten einen Riesenspaß und wir waren immerhin 24 Runden besser als das schlechteste Werksteam ( Kawasaki )
 
Die Allrad Yamaha ist mit 151 Runden auf Platz 3 gelandet. Die Werks-Husaberg ist 2,5 Stunden vor Schluss mit Motorschaden liegen geblieben ( wer hätte das gedacht ? ) "Mr. Brandauer himself" musste das Teil über die Strecke in die Box schieben.
 
Die Organisation der Veranstaltung war perfekt, hoffentlich gibt es nächstes Jahr eine Wiederholung.
 
Fotos:   http://www.frugisoft.de/24h-langensteinbach.htm
 
frugi...

Ergebnis:  http://endurosport.baboons.de/content.php?parent_id=CAT_347&doc_id=DOC_5753&page=2 

Hier noch ein link zu einem weiteren Bericht und Fotos  http://endurosport.baboons.de/content.php?parent_id=CAT_347&doc_id=DOC_5753&page=4