Saisonstart
2004 Toskana 17.3.04 bis 21.3.04
„More than wide open“
Text Mr. 40-Stroke, Fotos Mr. 40-Stroke, "frugi"
Es
sollte 2004 also losgehen, diesmal aber in der Toskana auf unbekanntem Terrain
und zum ersten Mal mit ital. Streckenguide, mit neuen unbekannten Mitfahrern und
auch noch in unbekannter Unterkunft auf einer Art Bauernhof.

Agriturism “Ca’ Nova”, a 25 hectare
area immersed in the middle of Tuscan
Romagna Apenines at an altitude of 750 m. ,
offres an ambience where hospitality,
excellent cuisine, open air sports, nature and the
absence of chaos all contribute to the possibility of
spending unforgettable moments of
pleasure and relaxation.
One can chose to pass the day in complete relaxation,
to hike, to mountain bike or ride an enduro motorbike
along the numerous panoramic paths of apenine, or even
collaborate with Alessandro in the preparation of the
traditional meals and tuscan bread and focaccia
all cooked in the wood oven.
Angekommen am Mittwochmittag (6 Std. von München) erblickte ich, nach einem, 1-stündigen, fast nicht endend wollenden Kurvengeschlängel, „mitten im Nichts“, in den nördlichen Ausläufern der Toskana den „Landgasthof“ von Sandro.

Er begrüßte mich freundlich, sprach von seinem Land, seinen Tieren,
seiner Kochkunst als Pizzabäcker ................

Endurofahren mit einem Pizzabäcker ??? à man sollte gespannt sein, denn weit und breit war nix außer steilen Bergen, Wald, eine kleine Straße und Wiesen. Die nächste Ortschaft war ca. 8km weit entfernt.
Ich erntete ein Lächeln als ich meine (neue) 520er aus dem Kofferraum meines Audi A4-Kombi zog und recht flugs zusammenschraubte.

Als nächstes kam ein kleiner Italiener mit einer, doch schon etwas gebrauchten und schon 30.000km gelaufenen Viertakt-Yamaha WR 250 angehoppelt, wie sich herausstellte war es der Pizzabäckergehilfe und unser 2. Tourguide....................
Nur, was sollte die 60cm lange Machete am Lenker ?????

Jochen war mit Katja schon ein paar Tage da, er war aber noch nicht Moppett gefahren, sondern hatte Florenz angesehen usw.
Nach mir kamen auch Mittags an:
„frugi“ + Sebbb
Michael E. + Jochen (MillliMan)
Martin + Tobi
Stefan
Alle warfen sich umgehend in die Enduroklamotten, denn
wir wollten noch eine kurze Sightseeing-Tour mit dem Pizzabäcker machen.
Nun gut, Sandro holte eine etwas verbeulte, gut gebrauchte KTM 300 2Takt aus dem
Schuppen, allerdings mit einigen edlen Anbauteilen fahrwerkseitig veredelt.
Also runter vom Hof und rauf auf die Straße
- wenn das so weiter geht ...............
...............- und nach 400m über einen Steinbruch in herrlichstes Endurogelände
mit Auffahrten, Singletrials, Schotterwegen, usw.
Die Gegend zeigt sich schroff mit steilen bewaldeten Hängen mit tief
eingeschnittenen Tälern. Wir bewegen uns in Höhenlagen zwischen 300m und
1.400m.
Und Sandro fuhr spielerisch auf Enduro-WM-Niveau vor uns her, zeigte Fahrtechnik
vom Feinsten und wir standen mit offenem Mund daneben.
Der Mund sollte uns die verbleibenden 3 Fahrtage offen bleiben .............

Nach 4 Std. und 48 km kommen wir alle recht abgekämpft
an Sandros Haus an. Gegenseitig wird die super Strecke abgeklatscht und wir sind
uns einig hier im Enduroparadies zu sein.
Abends und nachts trudelten noch Udo, Klaus und Icke, Markus und Erhard, Robert
und Markus 2 ein.
Wie lief nun so ein Fahrtag ab ?
Frühstück nach ital. Art, mit Kaffee und süßem Kuchen, in die Klamotten hopsen, Moppett tanken, Moppettcheck und Eingruppierung in Grandma-Tours oder Competition-Group, Knöpfchen drücken und los.
Grandma-Tours fährt 3 km auf der Straße und biegt dann ins Gelände ab, schmierige Schotterwege, felskantendurchsetzte Auffahrten, Singletrials wechseln mit steilen Abfahrten und reifenbreiten Trails an atemberaubenden Steilstücken ab. Zeitweise muß das Moppett über die Kanten bergab geschoben oder bergauf gehoben werden. In den Höhenlagen liegt nordseitig noch eine dünne Schneedecke, die das Fahren weiter erschwert. Bis zum gemeinsamen Mittagstreffpunkt mit den "ganz harten Jungs" werden ca. 40 bis 50 km zurückgelegt. Der Guide, unser Gabriele (genannt Ele) fährt vorweg und hat mit gutem Auge immer den letzten Mann im Blick. Er öffnet zuvorkommend die Weidegitter und schließt sie hinter dem letzten, er lässt sich auf einfacheren Streckenteilen bis ans Ende der Gruppe zurückfallen schaut ob alles OK ist und gast seine 250er Viertakt wieder an, und fährt wieder nach vorn. An fahrtechnisch kniffligen Stellen steht er helfend daneben.
Competition-Group fährt 300m Gelände und biegt dann in die senkrechten Wände ab, ein fahrtechnisches Highlight folgt dem nächsten, Sandro fährt mit einer enormen Leichtigkeit die schwierigsten Streckenteile (fast alles im Stehen) und gibt Tipps wenn man hängen bleibt. Sein geschultes Auge lassen jeden bis kurz vor die „Abblasgrenze“ selbst schieben, erst wenn erkennbar nichts mehr geht, nimmt er das Moppett und fährt, ohne Schwung zu holen ganz einfach und meist ohne Helm die Kiste über die Felsstufen nach oben. Auf diesem Wege kommen vormittags ca. 20 km zu Stande. Für jeden hat er Tipps parat und es ist schön zu sehen wie bei allen die Fahrtechnik von Stunde zu Stunde zunimmt. In den Auffahrten hallt immer wieder der Spruch durch den Wald „Gas, Gas, more than wide open..............“ , den die Fahrer mit den Hubraumzwergen mit gequältem Lächeln hinnehmen.
Es folgt die gemeinsame Mittagsrast in abgelegenen, aber sehr guten Restaurants.

Am Nachmittag das gleiche Spiel, manchmal ist die Grandma-Tour stärker besetzt, manchmal wollen sich mehr Leute schinden.. So konnte sich jeder nach eigenem Empfinden selbst in die Gruppe einordnen.
Ca. 1 bis 1 ½ Std. vor der Dunkelheit kam die
Grandma-Tour am Startpunkt zurück, wer nicht genug bekommen konnte „gab“ es
sich mit Sandro bis in die Dunkelheit.
Dann wieder zu Hause angekommen galt es für Sandro, raus
aus den Klamotten und rein in die Pizzabäckerkluft, denn wir hatten uns ein
standesgemäßes Abendessen verdient.
Noch ein paar Anmerkungen zu den Verlusten:
Klaus ist mit Knöchelbruch (er ist auf einer Verbindungsetappe mit der Stiefelspitze auf den Rasten stehend an einer Wurzel hängen geblieben) das größte Päckchen zu tragen und wird am 26.3. operiert, es folgt Jochen mit 2-fachem Rippenbruch (bei einem Umfaller nach dem Ausweichen um einen umgefallenen Baum rammte er sich beim Aufschlag den linken Ellbogen in die Rippen und der Verschluß des Brustpanzers brach die Rippen (er ist aber noch 2 Fahrtage tapfer mitgefahren),

die Fleischwunde an
Tobis Hand wird heilen, die vielen blauen Flecken werden in den nächsten Tagen
verschwinden, die Auswirkungen der verminderten Anzahl der grauen Zellen nach
Udos Rotweinkater
ist noch nicht anzusehen, der Absturz in die Schlucht von Jochen (MilliMan)
wird durch geschulte psychologische Betreuung bis nächstes Jahr verarbeitet
sein, Sebbbs Schulterprellung wird dank Tobis Pferdesalbe bald
schmerzfrei sein, der Rest sind Sachschäden in Form von abgerissenem Heckkotflügel
(Markus 2
und Michael), Erhard wird den KTM Dealer mit der Investition eines
neuen Scheinwerfers glücklich machen, aus Japan wird die abgerissene
vordere Bremssattelbefestigung
für Martins Yamaha eingeflogen, der zerschlagene Motorgehäusedeckel an Markus
2 Husky wird die Wirtschaft in Italien ankurbeln,
Tobis neue Batterie
steht schon bei Hein Gericke im Regal, Icke wird seiner neuen 450er Yamaha einen
neuen Kupplungshebel spendieren müssen, Udo
wird auf dem Flohmarkt einen gebrauchten Kickstarter (abgetreten beim Starten,
oder durchgerostet ?)
und einen Blinker (abgerissen) erstehen müssen, dem HeideRaiders (Martin) ist
noch an seinem Qualitätskangoo die Hinterachse abgefallen als er bei der
Abfahrt von Sandros Hof rollte, worauf erstmal Schluss war mit heimfahren
(Martin und Tobi sind nach einer Nachtzugheimfahrt am Montagmorgen um 7.30 Uhr
pünktlich zur Arbeit am Hauptbahnhof München angekommen). Markus 2 hat dann den
Hänger übernommen und heimgezogen. Allerdings dabei das
Sonntagsfahrverbot für über 3,5 t LKW gebrochen und der Polizia 140 Euronen
geschenkt....... usw.
Hier noch einige Fotos mit Kommentar:
Klein-Arizona 

Fahrstrecke beim Abstieg durch den Steinbruch
Kammrast
Nordseitiger Trail durch den Laubwald 
Streckencharakter
Weitere Fotos beim "frugi" auf der Homepage http://www.frugisoft.de/toskana_2004.htm
Die vielen Fotos und Videos (auch die Videos von Michaels Helmkamera) werden zusammengeschnitten und dann jeden Teilnehmer zugängig gemacht.
Resümee:
Das war in den vielen Jahren in denen ich im Gelände herumfahre ein richtiges
Highlight mit eigenständigem Charakter. Es war fahrtechnisch und kulinarisch
eine harmonische Einheit, wenn auch fahrtechnisch an der oberen Grenze
angesiedelt. Sandro macht als Tourguide erheblich mehr als erwartet, fast alle
haben fahrtechnischen Unterricht kostenfrei dazu erhalten.
Vergleiche mit anderen Touren lassen sich nicht ziehen, das ist und war eine eigenständige Sache, bis zum nächsten Mal !
Mr. 40-Stroke
(unverletzt und ohne Sachschäden zurück)