DON
NIKKO AUF DEN SPUREN DER DAKAR MIT EINEM QUAD
IN SPANIEN
(Text
Und Fotos Don Nikko)
HALLO DIRTBIKERS!
Hier sind wir wieder, diesmal von einem Pressetermin bei www.lescomes.es.
Es handelt sich hier um eine Siedlung aus dem 10. Jahrhundert, die vor
rund 10 Jahren von Pep Vila (ehemaliger spanischer Enduromeister und ISDE
Goldmedalliengewinner) gekauft und anschliessend renoviert worden ist.
Die Siedlung liegt auf einem rund 500 Hektar grossen Gelände mit ca 70
km Offroad trails.
Pep ist Dakarteilnehmer und organisiert alle Arten von Presse- und
Testevents im Offroadbereich, darunter Vorauswahlen für Cameltrophy und G 4
Challenge.

Die drei Tage mit und bei ihm sollten zur integralen Infizierung mit dem
Offroadvirus führen….
Unser event beginnt mit einem Specialtest unter Flutlicht, bei dem sich
die Journalisten mit den 50 cc Enduros auf einer glitschigen Wiese austoben können.
Berberzelt und Lagerfeuer tun ein Übriges zur Cameltrophyatmosphähre:


Die Sonderprüfung ist durch Flutlicht illuminiert, eine der Quellen ist
ein unscheinbarer Truck, bei genauer Betrachtung wird klar, dass es sich hier um
kein gewöhnliches Lasttransportfahrzeug handelt sondern um einen Racetruck für
Paris Dakar!!!
Ich stehe davor wie ein Erstklässler und wünsche mir nix mehr, als
eine Runde damit zu fahren….

Darauf angesprochen meint Pep " iss ok, aber erst am letzten
Abend…..". Und ich muss mich in Geduld üben.
Nach dem Galadinner des ersten Abends dürfen wir einen Blick auf seine
Bultacosammlung werfen: ca 10 Motorräder mit einem aktuellen Durchschnittswert
von ca 10-18.000 Euro!!!! (folgt gesonderte Story).

Ich kann wieder die ganze Nacht nicht schlafen-soviel Offroadleben kann
keiner aushalten….
Am nächsten Morgen gehen die Journalisten mit den Moppetts auf Tour, übrig bleibt noch ein 700 cc Kawasaki-Zweizylinder Quad-wieso auch nicht

Ich habe nicht viel Klamotten dabei, gerade mal einen Regenanzug, Helm
und Strassenstiefel, sollte reichen, um den Anzug und die Krawatte sauber zu
halten.
Also, Quad: das heisst Daumengas, einen Schnellgang, einen Kriechgang
und Rückwärtsgang. Dazu 700 Vzwei Kubik, Allradantrieb auf Knopfdruck und
gaaaaanz viel Gewicht. Ich weiss nicht wieviel, vielleicht 300 kg oder so, aber
auf jedem Fall beeindruckend.
Ich probiere das Fahrzeug erstmal auf der nassen Wiese aus: WOUW!
Gewicht nach hinten, mit dem rechten Daumen Gas geben wie bei einem
Gewehr und los geht der Schuss: 700 Kubik drücken richtig an, auf der
schmierigen Wiese ist der Powerside Full-On-Fun: wie auf einem Strassensportler
seitlich raushängen und dann Daumendrücken….
Die Sache fängt an, mich zu interessieren, ich beschliesse, den
Journalistentrail von rund 30 km Offroad bis zum Imbiss komplett zu fahren.

Und so geht es durch die Countryside von Zentralkatalonien, das Wetter
ist heute (zumindest von Oben) auf meiner Seite: Sonnenschein, weite Fernsicht,
ca 10 Grad Temperatur.
Ich probiere schon mal den Allradantrieb aus, aber zum schnellen Vorwärtskommen
auf den Schotterstrassen ist er nur hinderlich, verspannt er doch das ganze
Fahrwerk und macht die Lenkung extrem schwergängig, ausserdem kann man so nicht
mehr quer durch die Kurven driften.
Ich bin schwer erstaunt, wie gut das Fahrwerk richtig grosse Felsen
wegsteckt und wieviel Spass es macht, in tief ausgefahrenen Fahrrinnen mit ca 20
cm hohen Pfützen einfach Gas zu geben um herauskatapultiert zu werden.
Die Vorderbremse ist nicht so kräftig wie ich mir erhofft hatte und das
Kurvenanbremsen macht mir anfänglich Probleme: um richtig schnell zu sein muss
man das Quad schon beim Anstellen der Kurve quer stellen (kann sich einer noch
an Walter Röhrl am Pikes Peak 1987 (ich glaube das war das Jahr oder?)
erinnern? DIE Perfektion des Rallyefahrens…)-ansonsten
riskiert man, im letzten Moment noch umzukippen…

Fühle mich langsam wie der junge Carlos Sainz: vor der Kurve anstatt zu
bremsen einfach noch mehr Gas geben um das Quad querzustellen und um dann im
Drift durch die Kurve zu gehen-genial, fantastisch, wie ein Petting kurz vorm
Abflug in die Büsche, und die 700 Kubik drücken vorwärts…

Die Konditionen sind wirklich gut: Schlamm überall, schon das kleinste
Gasgeben auf der Geraden gibt einem die Möglichkeit, das Quad querzustellen.
Eine Wasserdurchfahrt gibt Gelegenheit, den Allradantrieb zu testen: während
die Moppetts sich mit fremder Hilfe durch die Furt kämpfen:

zieht das Quad wie am Abschleppseil ungestresst seine Bahn:



So langsam bekomme ich immer mehr Spass an der Sache und fange an zu träumen….

Ich drücke mich dann noch bis zum Abend auf dem Quad durch die Gegend
und lasse es mir nicht nehmen, die glitschige Wiesensonderprüfung für die
Journalisten des zweiten Abends trockenzufahren: es ist wie ein Tanz. Im tiefen
Schlamm aus der Kurve raus quer, kurz Gas zudrehen, dann quer in die nächste
Kurve rein….eine halbe Stunde lang, ich verliere jedes Gefühl für Raum und
Zeit…meine Kollegen müssen mich auffordern, den Journalisten auch mal wieder
Platz zu lassen…
Und dann war da noch der Dakar Truck…Pep gibt meinem Drängen nach und
lässt mich einsteigen:

480 PS, 6-Zylinder MAN Motor, 11 Tonnen Gewicht, Vmax 165 km/h im Sand,
Kosten ca. 200.000 Euro….wir fahren leider nur auf der Strasse:
beim Gasgeben geht der Truck vorne hoch wie ein Motorboot, beim Anbremsen
taucht er dann glatt mal wieder 1/2 Meter tief ein. Schalensitze im Truck, voll
mit elektronischen Instrumenten, Armaturenbrett aus Kohlefaser, Feuerlöscher…die
Beifahrer kleben sich bei langen Etappen die Helme mit Klebeband an die Nackenstützen,
um sich nicht das Genick zu brechen, falls sie einschlafen….unglaublich die
Faszination, die von diesem Fahrzeug ausgeht….

Danach bleibt mir nur noch eins: eine gute Flasche Cava mit meinen
Kollegen aus dem Versuch:

Pep hatte die Starnummer 426 und ist bester spanischer Truck geworden
(11. Oder 13. Platz glaube ich…). Ich habe neulich mit ihm telefoniert, da hat
er mir gesagt, dass sie von Tan Tan nach Nema (3 Etappen mit insgesamt 2000
km) 70 Stunden gefahren sind, ohne zu schlafen…….!!!!!
Wie kann ein Mensch das überleben???
Zum Abschluss am nächsten Morgen noch mal ein bisschen 125 cc fahren:
links im Bild Pep Vila.

Was bleibt nach diesen 3 Tagen Off Road total?
Die Gewissheit, das Spanien kein schlechtes Land ist und das es höchste
Zeit wurde, dass Nani Roma diese verfluchte Dakar gewonnen hat….
Fortsetzung folgt.

