Erster Trailride in Spanien mit Don Nikko

 (Text Und Fotos Don Nikko)

Hallo Dirtbikers!

Mitte November, bin jetzt seit gut 4 Monaten in Barcelona, endlich Zeit zum ersten Enduroride.

Enduroride ist zu viel gesagt, ich kann leider nicht auf meine WR 400 zurückgreifen, die steht immer noch im nasskalten Klima meines Moppettschuppens in Veneto bei dem das Dach immer durchsichtiger wird und wartet darauf, dass sie mal wieder jemand rannimmt…nach 8 Monaten Standzeit.

Ich  fahre heute die brandneue Derbi Senda 125 -eine On/Off 125 cc Viertaktenduro mit 12 PS.

Mit auf der Tour ist mein Mechaniker David auf seiner 300 KLX und zwei seiner Freunde auf 300 cc Zweitakt Gas Gas Quads.

Temperatur ca 12-17 Grad, trocken.

Wir fahren im Tal los und kommen an einen abgesperrten Weg, an dem es seitlich einen Noteingang gibt, durch den die Quads haargenau durchpassen-danach im Anstieg auf einem Weg mit festem und feuchtem Sandboden, der Grip ist unglaublich gut und ich bin völlig schockiert von der enormen Beschleunigung der Quads am Kurvenausgang und kann mir ein lautes Lachen unter dem Helm nicht verkneifen weil ich so etwas noch nie gesehen habe: die Dinger schwabbeln im Drift wie am Gummiband gezogen aus der Kurve, ich warte andauernd darauf, dass sie einen Stein erwischen und sie aushebelt-nix da, die Jungs ziehen am Kabel was das Zeug hält, ich bleibe brav dahinter und schaue mir das Spektakel an.

Aber ich merke, dass die Quads beim Anbremsen so ihre Schwierigkeiten haben, die richtige Linie zu finden und fange an, mich in den Kurven innen ranzubremsen.

Inzwischen sind wir auf der Meerseite der Maresme-Hügelkette angekommen wo ein lauer Wind weht, der den Sandweg gut abgetrocknet hat.

Eine Kleinigkeit, die mir zum fatalen Verhängnis werden soll….

In einer engen Rechtskurve trägt es ein Quad zur Aussenseite der Kurve, ich sehe eine Lücke und zwänge mich innen vorbei,  reisse das Gas am Kurvenausgang auf, die kleine 125 er beginnt, hinten auszubrechen doch die 12 PS reichen nicht für einen sauberen Drift…

Zeitlupe: das bike bekommt hinten wieder Grip, richtet sich gerade auf, ich habe den rechten Fuss noch am Boden und die rechte Hand hat dem Gas gerade "Auf" digitalisiert. Position des bikes zum Weg: ca 30 Grad nach links, mit Vollgas und ohne Reaktionsmöglichkeit abschussbereit ins Nichts.

Ich durchquere gerade auf dem Moppett sitzend einen ca 3 Meter hohen Busch am Wegesrand und nehme den Geruch der süssen Beeren wahr, die sich an meinem Helm in Marmelade verwandeln.

Ich bereite mich innerlich noch auf grossen körperlichen Schmerz vor als wir zum liegen kommen: weiche Landung, das Moppett auf mir drauf-ich kann mich noch bewegen und komme von selbst unter dem Moppett hervor, oben sehe ich ein Quad mit einem Rad über dem Abgrund stehen und gebe OK-Zeichen-alive!

Wir sind rund 6 Meter unter dem Weg auf einem Busch zum Liegen gekommen, der Quadfahrer hat sich so erschrocken, dass er auch geradeaus gefahren ist, zum Glück konnte er gerade noch bremsen…

Zu viert zerren wir unter grossen Schwierigkeiten die Senda 125 wieder auf den Weg, die Situation ist etwas peinlich, weil wir auf einem gesperrten Weg sind und Mountainbiker und Wanderer vorbeikommen-zusätzlich steht oben auf dem Berg noch ein Feuer-Beobachtungsturm.

Ohne grossartig das Moppett zu checken nehmen wir gleich wieder die Fahrt auf, dabei merke ich, dass ich mir den Oberschenkel etwas geprellt habe und auch sonst etwas wackelig bin-wir fahren noch 5 km bis zur Frühstückspause, die hier Tradition ist:

 

Von wegen Marmelade und Brötchen: morgens um 10 gibt es Bratwurst, gebratenen Bauchspeck und heisse Leberwurst, dazu das spanische pan-tomate und Gemüse in Knoblauchsosse eingelegt-nix für schwache Nerven, ich habe gerade vor ein paar Wochen meine Diät begonnen, in der ich morgens nur Obst esse-ich fühle mich etwas gemobbt….

Nach einer guten halben Stunde geht es weiter, wir begeben uns auf die sogenannten "Pistas", das sind für den Autoverkehr freigegebene harte Sandpisten, ca 4-5 Meter breit, auf denen alles unterwegs ist: Autos, Mountainbikes, Fussgänger  und auch wir.

Das Speedlimit sind 30 km/h, aber leider sind unsere Quadfreunde echte Ignoranten und lassen die Dinger volles Rohr quer aus den Kurven rausbeschleunigen: der Lärm und die Staubentwicklung sind enorm und beim Blick in die Gesichter der terrorisierten Spaziergänger und Mountainbiker wir mir klar, dass diese Zweitakt- quads unter diesen Leuten das Ende des Offroadvergnügens in Catalunya (und wahrscheinlich auch anderswo) sein werden.

Ich schleiche mich mit meinen leisen 12 PS an den Spaziergängern vorbei und bekomme etwas gemischte Gefühle:

Die katalonische Landesregierung hat seit 2003 ein Gesetz erlassen, nachdem mit Motorfahrzeugen nur noch auf über 4 Metern breiten Wegen gefahren werden darf.

Der Verkehr auf diesen Pistas ist extrem-wir fahren wieder ins Unterholz und stossen auf  ca 3-4 Meter breite, feuchte Erdhohlwege-Traktion ohne Ende!

Im Anstieg habe ich keine Chance und quäle die 125 er im ersten und zweiten Gang mit Vollgas die Berge hoch, Bergab kann ich an den anderen dranbleiben-das muss ein Traum zu fahren sein mit 40 PS…

Und dann stossen wir immer wieder auf diese perfekt glatten feuchten Erdpisten mitten im Wald, bei denen ein deutscher Umweltschützer den nationalen Notstand ausrufen würde-man versteht nicht, wozu die hier reingeschoben sind, aber manchmal denke ich mir, dass eine Hauptstrasse in Brasilien so oder ähnlich aussehen muss: dunkle, fette Erde in einem Meer von Grün, so etwas hab ich noch nie gefahren:

Zwischendurch geht der Trail auch mal direkt durch einen Golfplatz:

Und dann geht es wieder auf die Meeresseite mit Blick auf Barcelona und das Mittelmeer:

Die andern Jungs verabschieden sich, ich fahre kurz in meiner Wohnung vorbei um später die Strassen am Meer auszutüfteln.

Als ich (auf dem Asfalt) von meiner Wohnung wegfahre überholt mich eine Gas Gas Enduro, die kurz darauf links ins Dickicht abbiegt-ich hänge mich einfach bei ihm dran und folge ihm, kurz darauf kommen wir ins Gespräch, ich erkläre ihm, dass ich gerade hier eingezogen bin ecc…worauf er mir den Weg hoch in die Berge zeigt und wir Telefonnummern austauschen.

Plötzlich wir mir klar, dass ich nach 300 Metern Strasse von meiner Wohnung weg auf Pisten komme, die mich ohne Unterbrechung Off Road durch ganz Spanien bringen…ein Traum, der mir seit meiner Umbrientour im Frühjahr 2003 durch den Kopf geht!

Ich fahre noch den ganzen Nachmittag alleine kreuz und quer durch dieses Paradies, die Blicke auf Barcelona wechseln sich ab mit Pinienwäldern, Sandpisten, Felssektionen und Weingärten.

Am Ende kommen 135 km auf den Tacho-das ganze mit 12 PS und trotzdem Spass gehabt.

Ich kann es nicht erwarten, endlich mit 50 PS und einem guten Fahrwerk im feuchten Sand der Costa Brava zu fahren.

Am  Abend kommen die ersten Besucher in Spanien vorbei: zwei italienische Freunde auf dem Rückweg von einer Marokkoreise-wir reden die ganze Nacht über die Dakar….Fortsetzung folgt.