Alpen-Adria Enduromeisterschaft 2003
(Text + Fotos DonNikko)



Alpen-Adria Enduromeisterschaft 2003 die sich in 9 Rennen artikuliert, davon 4 in Kroatien, 1 in Ungarn und 4 in Italien. Startberechtigt sind Fahrer der angrenzenden Regionen und Nationen (Triveneto, Slovenien, Kroatien, Ungarn).

2. Lauf in Kroatien, Adriainsel Rab (ca 150 km südlich von Rijeka).

Abfahrt Freitagabend um 18.00 Uhr, wir brauchen eine Stunde um die 10 km auf die Autobahn zu kommen, Grenze bei Triest, dann noch mal Grenze Slovenien/Kroatien-es werden keine Motocross-Moppetts durchgelassen, nur angemeldete Enduros. Kurz nach der Grenze halt zum Essenfassen: zu dritt jeder einen Grillteller mit Bier und Kaffee, 33 Euro insgesamt-nicht zu fassen, dafür gibt's in Italien keine Pizza mehr. Ziemlich ätzende Rumkurverei durch Rijeka bis wir ca 20 km später auf der Küstenstrasse auf relativ gutem Teer und ohne viel Verkehr gut vorankommen:
die Nacht ist ein Traum bei Vollmond während sich die Strasse zum Teil bis auf 500 m hoch an den kargen Bergen entlangtastet-das Archipel der nördlichen Adria ist komplett im Mondschein sichtbar, der Ausblick auf die Inseln ist wirklich einmalig.
Extreme Windböen mahnen zu erhöhter Vorsicht, die Strasse ist plötzlich an einer dunklen Stelle mit einer Schranke für LKW's, Camper und Motorräder gesperrt-im letzten Moment können wir der Sperre ausweichen. Kurz vor Mitternacht durch das vorletzte Dorf mit reduziertem Grundtempo-zum Glück denn es steht eine Polizeipatrouille am Strassenrand.
Von der Hauptstrasse runter 8 km ins Hafendorf Jablanac, wir parken direkt im (romantischen) Hafen und pennen im Bus bei 1 Grad Aussentemperatur. Die erste Fähre am Morgen weckt uns um 6.00 Uhr, wir frühstücken im Bus und gehen um 7.30 Uhr auf die Fähre (35 Euro hin und rück mit meinem Bus und 2 Personen-nicht ganz billig).

    

Die Überfahrt dauert 15 Min und die Aussicht auf völlig kahle Inseln lässt Steine erwarten... 

Auf der Insel selber sind noch 10 km zu fahren, wir nehmen im Camp neben unseren Clubkollegen Platz, insgesamt sind wir rund 10 Fahrer mit nochmal gut 10 Leuten Begleitung.

Papierabnahme ist ein ziemliches Chaos, wir kämpfen uns ziemlich arrogant in der Schlange nach vorne und erledigen die Sache schnell: 40 Euro für 2 Tage. Technische Abnahme besteht nur aus der Starnummernkontrolle, Parc Ferme ist neben der Polizeikaserne. Um 9.00 Uhr sind wir mit allem fertig und müssen bis 12.00 Uhr auf den Start warten-da hilft nur ein Osterstollen und eine Flasche Prosecco:

Nach dem Start-hier noch mit Nummerntafel anstatt Computeruhr- 

geht es 1 km Strasse, 1 km Auffahrt über gepflasterten Ziegenpfad, 5 km auf Forstweg im Staub und mit Steinen, 2 km Singletrailabfahrt, dann 4 km Feldweg bis zur Sonderprüfung, die in der ersten Runde nicht gewertet wird.
  

Die Sonderprüfung ist rund 4 km lang und geht gleich nach dem Start in einen Eichenwald mit rotem und staubigem Erdboden, knüppelhart. Blaues Absperrband begrenzt die Sonderprüfung, im Wald sieht man nicht wo's lang geht. Teilweise Motocross-Anlieger und kleine Sprünge, Gräben, zwei Geraden im 5. Gang mit Abschluss Kurve auf Felsen, danach noch rund 1,5 km auf Wiese. Die Waldsektion ist traumhaft zu fahren, auf der Wiese habe ich meine Probleme weil die Anlieger extrem eng um die Begrenzungspfosten rumgehen-wie fahren die Anderen das? Liegt das etwa an den höheren Lenkern?
Nach der Sonderprüfug geht es rund 15 km über ein traumhaftes aber steiniges Hochplateau mit Aussicht auf die eingeschneiten Berge des Festlandes und die Adria sowohl in Ost- als auch in Westrichtung: 

Zwischendurch ein etwas haariger Hillclimb   

Ich bin mit meinen Michelin Enduro 3 Reifen nicht ganz zufrieden, vor allen Dingen das Vorderrad springt sehr stark auf den Steinen. Deshalb versuche ich an der Zeitkontrolle (ca 10 Min Wartezeit) die Kompression zurückzunehmen, aber die ist vorne und hinten schon ziemlich weit auf-es bleibt mir nur noch die Reduzierung des Reifenluftdrucks auf 0.8 bar-meine Kollegen raten mir ab, aber ich bin meiner Sache ziemlich sicher, obwohl an der ersten ZK schon ein paar Leute mit Plattfuss rumstehen. Weiter geht es über eine trialmässige Geröllhaldenabfahrt

  

dann ein (zu) kurzes Stück über den Strand    

Und zum Abschluss noch mal rund 15 km kurvige Schotterautobahn im Wald. Insgesamt rund 40 km Strecke, nicht gerade umwerfend und viel zu kurz, eine Runde spielt sich in 1 Stunde 25 Minuten ab. Die gleiche Strecke am Samstag 4 Mal, schon nach dem 2. Mal wird mir echt langweilig und ich versuche ein bisschen Spannung reinzubringen in dem ich das Fussetzen vermeide (mir hat mal jemand erzählt, dass Roger de Coster diese Technik anwendete, um sein Fahrkönnen zu steigern: auf der MX-Strecke ohne Fussetzen und/oder nur mit der rechten Hand am Lenker-versucht das mal, das Ergebnis wird Euch verblüffen........)
Spannung kommt jedoch bald auf, als unserer Begleiter an der Sonderprüfung
die Zeiten nehmen und mir mitteilen, dass zwischen mir und meinem Moppetvorbesitzer nur wenige Sekunden Differenz sind-er fährt WR 250.  

Also heisst von nun an das Motto extrem kräfteschonend zu fahren, auf den letzten 10 km vor der Sonderprüfung fahre ich wie in trance und konzentriere mich schon auf den kommenden Start.

Vorm Start mache ich einen 50-Meter Sprint und 10 Liegestützen um das Blut in Wallung zu bringen, am Start würge ich das Moppett absichtlich ab, dadurch gewinne ich 20 Sekunden mehr auf den Vorausfahrenden (Staub) und dann gebe ich Gas..... 

Es ist wie bei der WM-unsere Jungs stehen am Streckenrand und stoppen die Zeiten und machen Hochrechnungen....
Am Ende des ersten Tages habe ich meinen Clubkollegen um 0.5 Sekunden geschlagen:
in der Viertaktklasse bin ich von 48 Fahrern 10., mein Kollege 11.

Abends mit der ganzen Bande zum Essen: Grillteller bis zum Abwinken, Bier, Nachtisch usw.....15 Euro-wouw! Fast unheimlich:kein Mensch ist nachts unterwegs, in Italien ist das anders...

Am nächsten Tag Start um 10 Uhr, drei Runden, in der ersten Sonderprüfung liege ich 5 sec vorne, in der zweiten nimmt mir Paolo wieder 2 sec ab, in der dritten schlage ich zu und nehme ihm noch mal 3 sec ab- 7.Platz in der Viertaktklasse und damit momentan 5.Platz in der Meisterschaft (Pokal hat's gegeben!!!!). 
       

Wir packen gleich nach dem Rennen ein, um 15.00 Uhr sind wir schon auf der Fähre, die Heimfahrt ist genauso traumhaft wie die Hinfahrt, nur dass wir diesmal die Adria und die Inseln Cres und Krk im gleissenden Sonnenlicht sehen.     

Natürlich lassen wir's uns nicht nehmen, vor der Grenze nochmal einen Grillteller einzunehmen: 25 Euro zu zweit-um 21.00 Uhr sind wir nach 800 km Strasse und rund 280 km Rocks wieder zu Hause.

Fazit: es war die Sache wert, wenn auch der Streckenverlauf nicht so schön war wie Ostern 2002 in Labin/Istrien, aber Kroatien mit seinen Grenzen, die noch was von Ostblock haben und das relaxte Ambiente in Ferienatmosphäre sind immer wieder eine Wohltat für Körper, Seele und Yamaha WR 400, die wieder perfekt funzioniert hat und nicht plattgemacht hat....

So long, nächste Veranstaltung 12/13.04.03 Umbrien, 11.05.03 Pozega/Kroatien.

Euer DonNikko