Lichtenvoorde Mitte November 2003
Text & Fotos KingKlaus

Endurofahren ist in Holland ein Volkssport und wenn man mal einen Park in Holland gesehen hat, der jeweils einen Weg ausschildert für Fußgänger, einen Weg für Radfahrer, einen Weg für Reiter und einen Weg für Endurofahrer, dann merkt man schnell, daß der Offroadsport hier anders gesehen wird als in Deutschland. Dementsprechend beliebt sind dann auch die holländischen Offroadritte. Bei dem angeblich schönsten in Lichtenvoorde hab ich mich dann auch angemeldet und bin mit einigen Kumpels aus dem nahen Norddeutschland mitgefahren. Bei dem Rennen selber kann man zwei Runden a 35km so oft wie man will befahren und das ohne Zeitnahme oder Rennwertung o.ä. Also genau richtig für mein erstes Endurorennen. Es muß eine Tageslizenz gekauft werden und die Maschine wird auf Bremsleistung und zT sogar auf die Geräuschentwicklung getestet. Die Strecke geht bei den Leuten in der Gegend, die darin eingewilligt haben, durch deren Felder und Wälder. Vor ein paar Jahren durfte man bei einem endurobegeisterten Holländer sogar durch dessen Swimming Pool rauschen, dabei waren vorne und hinten kleine Holzrampen angebracht, damit das auch einigermaßen fahrbar war. Dieses Jahr waren rekordverdächtige 900 Starter dabei, davon ungefähr 80% Holländer und der Rest Deutsche. Und so siehts da aus:

 

Jaaa nun wie ist das, wenn man nach 95km Strecke ungefähr 5 Höhenmeter in 2:30h gefahren ist? Eigentlich gar nicht schlecht.  Zum einen besteht die Strecke aus etwa 30% lenkerbreiten Waldwegen, die echt Laune machen. Dann gibts noch etwa 40%, zT schnelle Verbindungswege, wo es dann auch ganz schön zur Sache ging und dann hats da ja auch noch die abgemähten Felder, die sehr schnell abgesteckt waren und wegen dem sehr tiefen Boden am besten mit Vollgas zu fahren waren. Zwischen den Felder fließen häufig kleine Bäche, die mit Schaltafeln überbrückt waren. Das sieht dann nach kurzer Zeit so aus, daß man mit rund 80 Sachen und Vollgas bei dem lockeren Boden auf eine 50cm breite Schaltafel zugeflogen kommt, wo sich schon davor und dahinter etwa 1m tiefe Schläge gebildet haben. Dabei hat man dann meist noch 3 Maschinen jeweils links und rechts von einem und dann soll der ganze Trupp da drüber, das war spannend! Da tat es ganz gut, daß die anderen Fahrer wirklich sehr fair und rücksichtsvoll unterwegs waren und auch so eine Schnecke mit einem dicken Monstermoped wie mich, nicht in Grund und Boden gefahren haben. Start und Ziel der ganzen Geschichte ist der örtliche Motocrossclub und alleine das Gelände des Clubs ist schon fast die Reise wert, so schöne Rampen und Pisten sind da angelegt.

Was man auf dem Bild auch ganz gut sehen kann, ist der möööööööörderische Sandboden. Alles was ich beim Mopedfahren kenne ist Kies, Schotter oder Erde, aber was ist das? Ich glaub, das wird nichts mehr mit mir und dem Sand. Immer am Gas bleiben und sich dann auch noch nicht drum scheren, daß sich die Kiste in jede Richtung bewegt dabei, puhh, das fiel mir schwer. So ähnlich war übrigens auch die Konsistenz der Felder, weil es eben in dem Traumsommer 2003 kaum geregnet hatte, war der Boden locker und leicht und deshalb war das fahren da sehr ähnlich. Besser kam ich da schon mit den Wäldern klar, enges wedeln mit den Baumstämmen direkt am Lenker, das mag ich einfach.

 

Und so in etwa sah es in der Gegend da aus, schön flach und waldig.

 

Kurz und gut, eine sehr lustige und abwechslungsreiche Angelegenheit, bei der man sich ordentlich austoben kann. Ich für meinen Teil bevorzuge aber eher doch wenigstens etwas hügeliges Gelände, weil technische Schwierigkeiten gab es selbverständlich keine zu bewältigen. A propos technische Schwierigkeiten: zwei Tage vor dem Rennen war ich mit meinem Kumpel „Daumen“ in dem örtlichen Panzerübungsgelände bei Münster unterwegs in den Borkenbergen. Das ist aber auch ein feines Gelände. Okay, okay, diese )(=&ZO/(%G&%/ Sandpisten können mir gestohlen bleiben und natürlich haben wir wieder mal Katz und Maus mit den Feldjägern gespielt – hört das denn nie auf? Aber ansonsten ist mein Fazit: wenn ich das vor der Haustüre hätte, dann würde ich 100% mehr Endurofahren, tut mir leid meine liebe Frau. Das ganze Gebiet ist riesig groß – bitte Daumen laß mich Dich da nie verlieren - und hat mehrere kleine Hügelketten, die etwa 80 Höhenmeter aus dem restlichen Flachland rausragen. Und genau diese Hügel habens in sich. Es gib da einige Auffahrten, die sind echt allererste Sahne und ich hab an einigen Dingern auch schon mal 5-6 Anläufe benötigt, bis ich das dann gepackt hab. Sowas liebe ich einfach. Besonders die Rampe bei den drei Panzern hat es mir angetan, da hab ich dann wohl so zehn Anläufe gebraucht und bin dann auch nur so mit Ach und Krach raufgekommen. Naja, nur so am Rande, beim wohl 5. Versuch mit dem Ergebnis eines 5. eingegrabenen Hinterrads, ist Kollege Daumen – der natürlich beim ersten mal ohne Probleme raufgeflitzt ist und das mit seinen 48 Lenzen - ganz gnädig von seinem Aussichtspunkt runtergkommen, hat mein Moped genommen und gemeint, schau mal genau hin. Danach ist der da so was von flüssig da rauf, daß mir klar wurde, das wird jetzt versucht bis zum Kolbenfresser. Was soll ich sagen? Das hat richtig Spaß gemacht. Wir waren da rund 4h unterwegs und haben sicher 80km in dem Gelände gefahren, und wenn ich nicht schon mit den Endurogreisen in München in den Wochen davor etwas geübt hätte, hätte ich danach sicher meine Arme gar nicht mehr bewegen können.

Vielen Dank nochmal an Daumen und Familie für ein prima Wochenende.