King-Klaus (der Neuling vom Sonntachtraining mit der Suzi) mit Alteisen am Chabo
Kann sich jeder vorstellen wie es ist, wenn man sein Töff an einen guten Freund verleiht und dann liegt das arme Ding alle halbe Stunde im Dreck? Ich wußte ja schon vorher, daß mein Kumpel, die Wade aus dem Münsterland und ein absoluter Anfänger beim Endurofahren, sich schwer tun wird. Außerdem ist die Gegend um Bardonecchia eigentlich nichts für Anfänger und daß man sich schon mal ablegen kann wenn es mal hart auf hart geht war mir schon auch klar. Ich habe aber trotzdem gelitten, und mein Moped und die Wade auch.
Angefangen hat das alles am 3.10.2000 in München und zwar ging es mal wieder per Zweirad auf die Piste. Beide Maschinen waren mit ziemlich groben Pellen bestückt, so daß die Kehren am Maloja mit dem Sandmaster richtig spannend und auch ganz schön eng waren. Die Wade hat auf der DR richtig satatnisch Kette gemacht und da hab ich mir schon mal gedacht:“Holla, der läßts aber laufen“.Abends haben wir uns dann im Hotel Europa in Bardonecchia einquartiert, das liegt sehr praktisch gleich an dem Ende von B., wo es zum Colle Rho abgeht: sehr freundliche Gastleute, günstig und Onlinereservierung möglich -> wir waren aber alleine im Hotel und da hätte es wohl keine Reservierung gebraucht.
Weil wir uns bei der Anfahrt schon ziemlich verausgabt hatten und uns eigentlich noch alles weh tat, kamen wir am nächsten Tag erst gegen 11 in die Gänge, was für mich erst mal Werkstatt suchen hieß, da ich beim Wechseln auf mein kleineres Ritzel das Kettenschloß getötet hatte. An der Tanke beim Bahnhof bin ich aber dann gleich fündig geworden. Ja und dann stand zur Einstimmung schon mal der Passo Mulattiera auf dem Programm.

Der ist nicht schwierig und macht richtig Spaß. Dachte ich mir. Bis zur Punta Colomion war reine Ballerei angesagt und ab da wird es dann zweimal etwas enger, bzw abgerutscht. Bei schönstem Wetter und mutterseelallein standen wir dann oben am alten Fort und schauten zum ersten mal rüber nach Frankreich. Bis dahin hatte die Wade schon mal einen kleinen körperlichen und moralischen Einbruch zu bewältigen, da ihm die erste abgerutschte Passage so gar nicht gelingen wollte und wir an der zweiten Engstelle, die 160kg seines Mopeds die etwa 5m wieder den steilen Abhang zurtück zum Weg hoch hieven mußten.

Als dann der kurze Stich zum höchsten Punkt auch nicht ging, war die Luft raus. Also gut, dann sind wir drüben wieder runter gerollt und haben dann den 7 Farben See angesteuert, hauptsache erstmal ein wenig Fahren ohne techn. Schwierigkeiten. Bis zum See ging alles glatt und wir haben auch eine neue Piste vom Col de Montgenevre aus unter einer Lifttrasse ausfindig gemacht, die schön eng und schnell war.

Oben angekommen bestaunten wir dann ehrfurchtsvoll die Wand von Rachau bzw den Windowmaker und kurvten dann weiter den Singletrail Richtung Frankreich. Das war ein Fehler. Und das obwohl die Strecke da rüber ein absoluter Traum und auch echt nicht schwer zu fahren ist, aber meine Maschine (+Wade) lag wieder zweimal im Dreck. Einmal war auch ein echt spektakulärer Nosewheelie mit dabei und das auf einer etwa 20cm tiefen Wiesenrinne bei etwa 5% Gefälle. Ich mußte erst mal wegschauen, weil ich sonst laut losgelacht hätte.
Die Wade war nun schon angeschlagen wie ein Boxer nach dem dritten Niederschlag: schwere konditionelle Probleme, die Höhe und das permanente Fahren am Limit haben ihm doch ganz schön den Spaß genommen.
Am nächsten Tag stand dann der Chaberton auf dem Programm, so daß dieses Programm schnellstens wieder geändert wurde. Da hätte die Wade aus meiner Kiste Einzelteile gemacht. Wir sind also ganz gemütlich den Colle Sommeiller rauf getuckert und haben das, trotz vereister Piste auf den letzten 2km, auch ohne Probleme hinbekommen.

Danach wollte ich es dann doch noch mal wissen und dann haben wir den Col Rho angefahren. Ich hab dabei meine olle Tenere (18 Jahre alt) immerhin bis zur magnetischen Stelle raufbekommen, aber dann war Schluß. Ich muß unten noch schneller werden, aber wie? Nächstes Jahr wird das wieder versucht, irgendwann komm ich da hoch, ze fix. Der Rest des Tages haben wir dann noch die Singletrails um Bardonecchia erkundet und sind dabei bis knapp unterhalb des Passo Mulattiera gekommen. Dabei haben wir dann auch noch rausgefunden, daß der Hersteller gelogen hat, als er mit unzerbrechlichen Handprotektoren geworben hat. Ansonsten aber eine echte Traumpiste: steil, schmal, zT schnell und schön kurvig. So mag ich das.

Schließlich sind wir am Tag darauf wieder heimgefahren und die Wade hat mich auf den Kehren um St Moritz wieder in Grund und Boden gedriftet. Okay, das kann er nun wirklich gut und ich denke der Knabe ist der geborene Supermotofahrer, nur das offroaden ist wohl nicht so sein Ding.
Mitten in der Nacht und gut gekühlt kommen wir dann wieder in Muc an. Was bleibt? Wir behalten 4 schöne Tage im Gedächtnis, bei denen wir gut 1700km gefahren sind und bei traumhaften Wetter noch ordentlich was gesehen haben. Die Wade hat sich dann kurze Zeit später eine 400er KTM gekauft, von der er sich nach wenigen Monaten im Gelände und nach einigen schweren Verletzungen schnell wieder getrennt hat. Schade.
King-Klaus