Chabo - Tour von Mr. 40-Stroke, Juni 2003
"Mal was anneres" (Text + Fotos Mr. 40-Stroke)

Dieses Jahr mußte ich moppettmäßig mal was anneres machen, auch beruflich ließ sich keine Endurowoche einrichten. So klinkte ich mich gruppenmäßig frühzeitig aus der Planung aus.
Es ließ sich aber in Turin ein geschäftlichen Termin einrichten und mit dem Wochenende kamen dann doch 3 gute Fahrtage am Chabo zusammen.

Bis Freitagabend noch hektisches arbeiten im Büro, dann alles schnell einpacken und um 19.00 Uhr auf die Autobahn Richtung Chaberton.

Samstag 14.6.03  (135 km 95% Schotter 5% Teer)
Gegen 3.00 Uhr, nach 8 std. Fahrzeit erreichte ich Bardonecchia (825 km in 8std. --> kein schlechter Schnitt mit Anhänger) und kroch unverzüglich in den Schlafsack.
Gegen 7.30 Uhr weckte mich der Wecker, denn ich war zum Frühstück mit 2 Berliner Endurofahrern in ihrem Hotel verabredet. Da wir bisher nur über eMail Kontakt hatten, war ich erfreut 2 nette Jungs (28 und 36 Jahre alt) kennen zu lernen.
Beim Frühstück (sehr reichhaltig und gut) besprachen wir die Tour für den Tag.
9.30 Uhr Start. Bei bestem Wetter lief mir vor Vorfreude ein Schauer über den Rücken als ich die schon so oft befahrenen Bergkämme und Gipfel sah. Wir kauften noch schnell Brot, Schinken, Käse und Tomaten ein und fanden schnell eine "Wellenlänge".
Über Campo Schmith auf die Bergrennstrecke zum Colomion war für mich zum einfahren super. Jakob und Markus trieben ihre 525er und LC4 den Berg hinauf, schnell war klar, dass die beiden reine Hobbyfahrer sind und keinen Weltmeisterschaftslauf mehr gewinnen werden. Schnell war ein Rhythmus gefunden und wir fuhren über den Passo Mulatieri zur Festung Mulatieri. Zurück ging es über die Wege an den Skipisten vom Skigebiet Bardonecchia in Richtung Valle de Stretta zum Cappo trinken in das Rifugio.
Warm, sonnig, traumhafte Gegend und nette Gespräche --> der berufliche Stress lag zwar erst 14 std. hinter mir, war aber gedanklich Galaxien entfernt.
Zum Mittagessen ans Ufer des nächsten Bachs gefahren und anschließend auf den Sommellier unter die Räder genommen. 
       
Bis zur Schneegrenze auf ca. 2.800m (3 Kehren unter dem Sattel) die KTMs hochgetrieben, Landschaft und Panorama eingesaugt und wieder runter zum Cappo trinken nach Rochemolles. Bei der Abfahrt an einem Shortcut brach das Vorderrad meiner Katty durch den Schnee in ein Loch ein und ich überschlug mich vorwärts. Das nagelneue Schutzblech vorn war somit entjungfert und die Kratzer in Auspufftopf, Lampenmaske und Seitenteil gelten eher als Orden. Somit war der Sturz für dieses Jahr vollführt und ich konnte unbeschwert weiterfahren.
Beim Cappo stellte sich heraus, dass beide als Journalisten bei der SZ in Berlin arbeiten, aber nicht gedenken irgendetwas über das Endurofahren rund um den Chabo zu veröffentlichen. Sie hatten in den letzten 5 Fahrtagen einige schöne Wege schon abgefahren, aber der Colle de Rho fehlte noch in der Sammlung.
In Anbetracht des späten Nachmittags wählten wir nach kurzer Lagebesprechung die "Damenauffahrt". Die LC4 von Markus stotterte plötzlich und wir mußten schon im unteren Teil umdrehen. In der vorletzten Kehre rutschte das Vorderrad von Markus  LC4 weg und er kam nach links zu Fall, die linke Fußraste quetschte den linken Fuß ein. Schmerzschreie zeigten, dass der Sturz Folgen haben sollte.
Da ich Orts- und Arztkenntnis besaß (Dr. Bava vom Beinbruch "Dr. O") hieß es sofort runter und zu Dr. Bava. 20 Minuten später zeigte Dr. Bava auf das Röntgenbild und zählte 1 - 2 - 3 - 4 ! Brüche am Mittelfuß bemerkte er grinsend, er zeigte mit der Hand, dass der Fuß auf doppelte Größe anschwellen würde und das es nicht so schlimm sei, man könne auch mit schief zusammengewachsenen Mittelfußknochen  laufen. Er riet von einer OP ab, wollte das Urteil der deutschen Ärzte aber nicht vorwegnehmen. Nun hieß es Fuß kühlen Moppett holen, einpacken, Pizza essen gehen und Abreise von Jakob und Markus am nächsten Morgen.

Sonntag 15.6.03  (514 km 40% Schotter, 60% Teer, Fahrzeit 15 Stunden)
Da ich im gleichen Hotel übernachtete konnte ich nochmals das sehr gute Frühstück genießen (mehrere Müslis, verschiedene Konfitüren, Eier, versch. Käse und Wurst). Ein gutes Zimmer, 2x Frühstück, 2 Cappos für 35,- €  =  sehr gut  =  eine Empfehlung !, der große Parkplatz direkt am Haus zum Abstellen der Moppetts macht das Hotel zur ersten Wahl für die Herbst-Tour !!!!
Im Gespräch stellte sich heraus, das der Hotelbesitzer bis vor 17 Jahren die "Hütte" auf dem Sommellier bewirtschaftete hat.
Ich verabschiedete mich von den beiden Jungs, die jetzt den Volvo mit Hänger nach Berlin treiben wollten. Wir verabschiedeten uns für nächstes Jahr an gleicher Stelle.
Für mich hieß es ebenfalls Abfahrt, aber mit der KTM in Richtung Süden.
Ich hatte einige Wochen vor der Tour vom "Dynamite-Trial" gelesen, eine 10-tägige Mountainbike-Tour vom Genfersee nach Monaco. Das hatte mein Interesse geweckt und ich wollte, wenn möglich, Teile der Strecke befahren.
Aus Zeitgründen, ich kam erst um 9.30 Uhr in Bardonecchia weg, umfuhr ich den Übergang Sestriere - Briancon (Col de la May) über den Colle de Montgenevre (2.200m) auf Teer. Es folgte der Col de Isoard (2.400m), ebenfalls geteert.

Der Col de Angel (2.722m) war ein erstes Highlight,
   
zwar ebenfalls geteert, aber die kleine Straße war wunderbar zu fahren und die Aussicht Klasse. So kam ich in das Valle Varita. In Sampeyre begann die Varita- und die Maira-Kammstraße,  geschottert und leicht zu fahren winden sich die Wege in einer Höhe von ca. 2.500m am Bergkamm zwischen dem Varita- und dem Maira-Tal entlang.

In Stroppo erreichte ich das Mairatal. Nach nur ca.5 km im Tal ging es gleich wieder bergan. Die Stura-Kammstr. stand an. Zwar mit neuem Teer belegt (war früher Schotter)    , landschaftlich aber absolut sehenswert, windet sich das kleine Sträßchen über den Colle de Esischie (2370m) über die grünen Berge und durch die schroffen Täler. Man merkt schon hier die auslaufenden Berge in Richtung Meer. Mehrmals halte ich an und genieße die Ausblicke.
 
Über Demonte ging es im Tal in Richtung Colle de Tende. Schon in Demonte erwischte mich das erste Gewitter. Also Regenklamotten anziehen und weiter, inzwischen war es ca. 16.00Uhr. In Limone Piemonte war das Gewitter so stark, dass ich mich zum Cappotrinken ins Trockene begab. 1 Std. Pause tat gut, aber zeitlich begann sich ein Problem abzuzeichnen. Würde ich noch mein "Programm" schaffen ?  Im leichten Regen ging es auf die Ligurische Grenzkammstr. Am riesigen Fort Central am Colle de Tende (2.400m) hing das Gewitter über dem östlichen Teil der Ligurischen Grenzkammstr., so nahm ich erst den westlichen Teil unter die Stollen. Alles geschottert und gut und flott zu gefahren.

Immer mit einem Auge zum Gewitter auf der anderen Bergkammseite genoss ich die Strecke. Wieder im Tal mußte eine Entscheidung her -->  ans Meer ?, den östlichen Teil der Ligurischen befahren ?, den Colle de Tende wieder raufwinden und dem Regen und dem Gewitter davonfahren ?
Es war inzwischen 20.00 Uhr, ich hatte ca. 350km gefahren und der Allerwerteste gab deutliche Zeichen des Missfallens von sich (der Arsch tat weh) !
Richtung Süden stand die schwarze Regenwand, östlich das Gewitter mit starkem Blitzschlag, so entschied ich mich in die östliche Seite der Ligurischen Grenzkammstr. einzusteigen, aber nach ca. 1 km fuhr ich an einem Verbotsschild vorbei und nach weiteren 500 m versperrte ein geschlossener Schlagbaum den Weg.
Ich drehte um, fuhr zurück zum Colle de Tende und wieder ins Tal nach Limone Pimonte. Die Regenfront lag bleischwer über dem westlichen Alpenkamm und so beschloss ich durch das itl. Alpenvorland zurück zu fahren.
Nach dem Kartenstudium rechnete ich mit ca. 150 km Landstraße bis ich den Beginn der Asietta-Kammstraße erreichte. Noch ca. 1 1/2 std Helligkeit machten mir klar, dass ich die Asietta in Dunkelheit befahren muß, aber noch zurück zum Auto komme.
Also, tanken und Gas. Gegen 22.30 Uhr erreichte ich den Beginn der Asietta. In völliger Dunkelheit 1 std. 20 min über den Schotter der Asietta Kammstr. war eine Erfahrung !

Gegen 23.50 Uhr erreichte ich wieder Teer in Sauze d`Oulx, und um 0.10 Uhr war ich zurück am Auto.
Abfahrt                                                                                            Ankunft
      
Strecke 514km, 15 std. Fahrzeit !

Montag 16.6.03
Im Supermarkt in Oulx das Frühstück eingekauft, im Kaffee nebenan einen Cappo gekippt und zum Frühstück auf den Berg. Traumhafte Aussicht, warm, ich genoss die Ruhe. Mit dem Moppett auf dem Hänger rauf zum CiaoPais, ich brauchte mal eine Dusche.
Herzlich begrüßten mich Juci und Alberto und ich kippte schon wieder einen Cappo, ein Zimmer stand schnell bereit und ich konnte mich kultivieren.
Durch die in der Nacht durchgezogene Kaltfront war die Sicht völlig klar, und beim Blick auf  den Jafferau zog es mich doch schnell wieder auf die 520er. Über Oulx, die bekannten kleine Wege zum Rifugio Rey und runter nach Savoulx schüttelte ich die Trägheit aus den Knochen. Jetzt rauf auf den Jafferau (2.880m). Ohne jemanden zu treffen erreichte ich den Gipfel. Die 360°-Aussicht ist auch nach so vielen Jahren Atemberaubend.

Ich saß am Gipfelkreuz und genoß die Aussicht, erst nach 1 std. konnte ich mich wieder losreißen.
Am Nachmittag wollte ich mich mit MudMan Stefan zu einer kleinen Endurotour treffen.
Bei der Auffahrt zum CiaoPais steht plötzlich ein schwarzer Passat mit 2 Moppetts auf dem Hänger quer auf dem steilen Schotterweg. Dem Kennzeichen nach Münchner !
Beim Blick durch die Seitenscheibe blicke ich in das angstverzerrte Gesicht von Schnorry !!!!!
Schnell gab ich Tipps wie die Steigung zu schaffen ist und begleitete sie zum Rifugio Ciao Pais.
Wie ich schnell erfuhr hatte er sich mit seinem Spezl kurzfristig entschieden mal dahin zu fahren.
Wir verabredeten eine kleine Endurorunde nach Sestriere zu machen, denn die beiden hatten keine Ahnung wo sie sind, oder wo sie Enduro fahren können. Dort statteten sich die beiden mit Kartenmaterial aus, ich gab ein paar Tipps und verabschiedete mich, denn ich wollte ja noch eine Runde mit MudMan drehen.
Schnell zurück zum CiaoPais und MudMan trefen.
Er erzählt von neuen Schildern auf der Asietta !  --  aber positiv !

Es sind offizielle Endurostrecken ausgeschildert und zur Befahrung freigegeben, kaum zu glauben aber wahr. Das mußte ich mir natürlich ansehen, denn bei der Befahrung in der letzten Nacht habe ich die Schilder nicht bemerkt. So starteten wir zum Erkundungsfahrt.
Es stimmt, in Höhe des Colle de Bourget sind Endurostrecken mit Schlidern ausgeschildert.   
    
Die Wege führen ins Tal Richtung Sestriere - Pinerolo, wieder zurück auf die Asietta und auf dem Kamm der Asietta entlang.
Bemerkenswert !
Wieder zurück am CiaoPais zog ein Gewitter auf, aber noch schnell Duschen, denn das Abendessen stand schon auf dem Tisch. 

Für mich war es das für den Juni, nach 3 Fahrtagen und 790km Fahrstecke !

Mr. 40-Stroke