Dieses Jahr mußte ich moppettmäßig mal was anneres machen, auch beruflich
ließ sich keine Endurowoche einrichten. So klinkte ich mich gruppenmäßig
frühzeitig aus der Planung aus.
Es ließ sich aber in Turin ein geschäftlichen Termin einrichten und mit dem
Wochenende kamen dann doch 3 gute Fahrtage am Chabo zusammen.

Bis Freitagabend noch hektisches arbeiten im Büro, dann alles schnell einpacken und um 19.00 Uhr auf die Autobahn Richtung Chaberton.
Samstag 14.6.03 (135 km 95% Schotter 5% Teer)
Gegen 3.00 Uhr, nach 8 std. Fahrzeit erreichte ich Bardonecchia (825 km in 8std.
--> kein schlechter Schnitt mit Anhänger) und kroch unverzüglich in den
Schlafsack.
Gegen 7.30 Uhr weckte mich der Wecker, denn ich war zum Frühstück mit 2
Berliner Endurofahrern in ihrem Hotel verabredet. Da wir bisher nur über eMail
Kontakt hatten, war ich erfreut 2 nette Jungs (28 und 36 Jahre alt) kennen zu
lernen.
Beim Frühstück (sehr reichhaltig und gut) besprachen wir die Tour für den
Tag.
9.30 Uhr Start. Bei bestem Wetter lief mir vor Vorfreude ein Schauer über den
Rücken als ich die schon so oft befahrenen Bergkämme und Gipfel sah. Wir
kauften noch schnell Brot, Schinken, Käse und Tomaten ein und fanden schnell
eine "Wellenlänge".
Über Campo Schmith auf die Bergrennstrecke zum Colomion war für mich zum
einfahren super. Jakob und Markus trieben ihre 525er und LC4 den Berg hinauf,
schnell war klar, dass die beiden reine Hobbyfahrer sind und keinen
Weltmeisterschaftslauf mehr gewinnen werden. Schnell war ein Rhythmus gefunden
und wir fuhren über den Passo Mulatieri zur Festung Mulatieri. Zurück ging es
über die Wege an den Skipisten vom Skigebiet Bardonecchia in Richtung Valle de
Stretta zum Cappo trinken in das Rifugio.
Warm, sonnig, traumhafte Gegend und nette Gespräche --> der berufliche
Stress lag zwar erst 14 std. hinter mir, war aber gedanklich Galaxien entfernt.
Zum Mittagessen ans Ufer des nächsten Bachs gefahren und anschließend auf den
Sommellier unter die Räder genommen.

Bis zur Schneegrenze auf ca. 2.800m (3
Kehren unter dem Sattel) die KTMs hochgetrieben, Landschaft und Panorama
eingesaugt und wieder runter zum Cappo trinken nach Rochemolles. Bei der Abfahrt
an einem Shortcut brach das Vorderrad meiner Katty durch den Schnee in ein Loch
ein und ich überschlug mich vorwärts. Das nagelneue Schutzblech vorn war somit
entjungfert und die Kratzer in Auspufftopf, Lampenmaske und Seitenteil gelten
eher als Orden. Somit war der Sturz für dieses Jahr vollführt und ich konnte
unbeschwert weiterfahren.
Beim Cappo stellte sich heraus, dass beide als Journalisten bei der SZ in Berlin
arbeiten, aber nicht gedenken irgendetwas über das Endurofahren rund um den
Chabo zu veröffentlichen. Sie hatten in den letzten 5 Fahrtagen einige schöne
Wege schon abgefahren, aber der Colle de Rho fehlte noch in der Sammlung.
In Anbetracht des späten Nachmittags wählten wir nach kurzer Lagebesprechung
die "Damenauffahrt". Die LC4 von Markus stotterte plötzlich und wir
mußten schon im unteren Teil umdrehen. In der vorletzten Kehre rutschte das
Vorderrad von Markus LC4 weg und er kam nach links zu Fall, die linke
Fußraste quetschte den linken Fuß ein. Schmerzschreie zeigten, dass der Sturz
Folgen haben sollte.
Da ich Orts- und Arztkenntnis besaß (Dr. Bava vom Beinbruch "Dr. O")
hieß es sofort runter und zu Dr. Bava. 20 Minuten später zeigte Dr. Bava auf
das Röntgenbild und zählte 1 - 2 - 3 - 4 ! Brüche am Mittelfuß bemerkte er
grinsend, er zeigte mit der Hand, dass der Fuß auf doppelte Größe anschwellen
würde und das es nicht so schlimm sei, man könne auch mit schief
zusammengewachsenen Mittelfußknochen laufen. Er riet von einer OP ab,
wollte das Urteil der deutschen Ärzte aber nicht vorwegnehmen. Nun hieß es
Fuß kühlen Moppett holen, einpacken, Pizza essen gehen und Abreise von Jakob
und Markus am nächsten Morgen.
Sonntag 15.6.03 (514 km 40% Schotter, 60% Teer, Fahrzeit 15
Stunden)
Da ich im gleichen Hotel übernachtete konnte ich nochmals das sehr gute
Frühstück genießen (mehrere Müslis, verschiedene Konfitüren, Eier, versch.
Käse und Wurst). Ein gutes Zimmer, 2x Frühstück, 2 Cappos für 35,- €
= sehr gut = eine Empfehlung !, der große Parkplatz direkt am
Haus zum Abstellen der Moppetts macht das Hotel zur ersten Wahl für die
Herbst-Tour !!!! 
Im Gespräch stellte sich heraus, das der Hotelbesitzer bis vor 17 Jahren die
"Hütte" auf dem Sommellier bewirtschaftete hat.
Ich verabschiedete mich von den beiden Jungs, die jetzt den Volvo mit Hänger
nach Berlin treiben wollten. Wir verabschiedeten uns für nächstes Jahr an
gleicher Stelle.
Für mich hieß es ebenfalls Abfahrt, aber mit der KTM in Richtung Süden.
Ich hatte einige Wochen vor der Tour vom "Dynamite-Trial" gelesen,
eine 10-tägige Mountainbike-Tour vom Genfersee nach Monaco. Das hatte mein
Interesse geweckt und ich wollte, wenn möglich, Teile der Strecke befahren.
Aus Zeitgründen, ich kam erst um 9.30 Uhr in Bardonecchia weg, umfuhr ich den
Übergang Sestriere - Briancon (Col de la May) über den Colle de Montgenevre
(2.200m) auf Teer. Es folgte der Col de Isoard (2.400m), ebenfalls geteert.

Der Col de Angel (2.722m) war ein erstes Highlight,

zwar ebenfalls geteert, aber die kleine Straße war wunderbar zu fahren und die
Aussicht Klasse. So kam ich in das Valle Varita. In Sampeyre begann die Varita-
und die Maira-Kammstraße, geschottert und leicht zu fahren winden sich
die Wege in einer Höhe von ca. 2.500m am Bergkamm zwischen dem Varita- und dem
Maira-Tal entlang.

In Stroppo erreichte ich das Mairatal. Nach nur ca.5 km im Tal ging es gleich
wieder bergan. Die Stura-Kammstr. stand an. Zwar mit neuem Teer belegt (war
früher Schotter)
,
landschaftlich aber absolut sehenswert, windet sich das kleine Sträßchen über
den Colle de Esischie (2370m) über die grünen Berge und durch die schroffen
Täler. Man merkt schon hier die auslaufenden Berge in Richtung Meer. Mehrmals
halte ich an und genieße die Ausblicke.

Über Demonte ging es im Tal in Richtung Colle de Tende. Schon in Demonte
erwischte mich das erste Gewitter. Also Regenklamotten anziehen und weiter,
inzwischen war es ca. 16.00Uhr. In Limone Piemonte war das Gewitter so stark,
dass ich mich zum Cappotrinken ins Trockene begab. 1 Std. Pause tat gut, aber
zeitlich begann sich ein Problem abzuzeichnen. Würde ich noch mein
"Programm" schaffen ? Im leichten Regen ging es auf die
Ligurische Grenzkammstr. Am riesigen Fort Central am Colle de Tende (2.400m)
hing das Gewitter über dem östlichen Teil der Ligurischen Grenzkammstr., so
nahm ich erst den westlichen Teil unter die Stollen. Alles geschottert und gut
und flott zu gefahren.

Immer mit einem Auge zum Gewitter auf der anderen Bergkammseite genoss ich die
Strecke. Wieder im Tal mußte eine Entscheidung her --> ans Meer ?, den
östlichen Teil der Ligurischen befahren ?, den Colle de Tende wieder raufwinden
und dem Regen und dem Gewitter davonfahren ?
Es war inzwischen 20.00 Uhr, ich hatte ca. 350km gefahren und der Allerwerteste
gab deutliche Zeichen des Missfallens von sich (der Arsch tat weh) !
Richtung Süden stand die schwarze Regenwand, östlich das Gewitter mit starkem
Blitzschlag, so entschied ich mich in die östliche Seite der Ligurischen
Grenzkammstr. einzusteigen, aber nach ca. 1 km fuhr ich an einem Verbotsschild
vorbei und nach weiteren 500 m versperrte ein geschlossener Schlagbaum den Weg.
Ich drehte um, fuhr zurück zum Colle de Tende und wieder ins Tal nach Limone
Pimonte. Die Regenfront lag bleischwer über dem westlichen Alpenkamm und so
beschloss ich durch das itl. Alpenvorland zurück zu fahren.
Nach dem Kartenstudium rechnete ich mit ca. 150 km Landstraße bis ich den
Beginn der Asietta-Kammstraße erreichte. Noch ca. 1 1/2 std Helligkeit machten
mir klar, dass ich die Asietta in Dunkelheit befahren muß, aber noch zurück
zum Auto komme.
Also, tanken und Gas. Gegen 22.30 Uhr erreichte ich den Beginn der Asietta. In
völliger Dunkelheit 1 std. 20 min über den Schotter der Asietta Kammstr. war
eine Erfahrung !
Gegen 23.50 Uhr erreichte ich wieder Teer in Sauze d`Oulx, und um 0.10 Uhr war
ich zurück am Auto.
Abfahrt
Ankunft
Strecke 514km, 15 std. Fahrzeit !
Montag 16.6.03
Im Supermarkt in Oulx das Frühstück eingekauft, im Kaffee nebenan einen Cappo
gekippt und zum Frühstück auf den Berg. Traumhafte Aussicht, warm, ich genoss
die Ruhe. Mit dem Moppett auf dem Hänger rauf zum CiaoPais, ich brauchte mal
eine Dusche.
Herzlich begrüßten mich Juci und Alberto und ich kippte schon wieder einen
Cappo, ein Zimmer stand schnell bereit und ich konnte mich kultivieren.
Durch die in der Nacht durchgezogene Kaltfront war die Sicht völlig klar, und
beim Blick auf den Jafferau zog es mich doch schnell wieder auf die 520er.
Über Oulx, die bekannten kleine Wege zum Rifugio Rey und runter nach Savoulx
schüttelte ich die Trägheit aus den Knochen. Jetzt rauf auf den Jafferau
(2.880m). Ohne jemanden zu treffen erreichte ich den Gipfel. Die 360°-Aussicht
ist auch nach so vielen Jahren Atemberaubend.
Ich saß am Gipfelkreuz und genoß die Aussicht, erst nach 1 std. konnte ich
mich wieder losreißen.
Am Nachmittag wollte ich mich mit MudMan Stefan zu einer kleinen Endurotour
treffen.
Bei der Auffahrt zum CiaoPais steht plötzlich ein schwarzer Passat mit 2
Moppetts auf dem Hänger quer auf dem steilen Schotterweg. Dem Kennzeichen nach
Münchner !
Beim Blick durch die Seitenscheibe blicke ich in das angstverzerrte Gesicht von
Schnorry !!!!!
Schnell gab ich Tipps wie die Steigung zu schaffen ist und begleitete sie zum
Rifugio Ciao Pais.
Wie ich schnell erfuhr hatte er sich mit seinem Spezl kurzfristig entschieden
mal dahin zu fahren.
Wir verabredeten eine kleine Endurorunde nach Sestriere zu machen, denn die
beiden hatten keine Ahnung wo sie sind, oder wo sie Enduro fahren können. Dort
statteten sich die beiden mit Kartenmaterial aus, ich gab ein paar Tipps und
verabschiedete mich, denn ich wollte ja noch eine Runde mit MudMan drehen.
Schnell zurück zum CiaoPais und MudMan trefen.
Er erzählt von neuen Schildern auf der Asietta ! -- aber positiv !

Es sind offizielle Endurostrecken ausgeschildert und zur Befahrung freigegeben,
kaum zu glauben aber wahr. Das mußte ich mir natürlich ansehen, denn bei der
Befahrung in der letzten Nacht habe ich die Schilder nicht bemerkt. So starteten
wir zum Erkundungsfahrt.
Es stimmt, in Höhe des Colle de Bourget sind Endurostrecken mit Schlidern
ausgeschildert.
Die Wege führen ins Tal Richtung Sestriere - Pinerolo, wieder zurück auf die
Asietta und auf dem Kamm der Asietta entlang.
Bemerkenswert !
Wieder zurück am CiaoPais zog ein Gewitter auf, aber noch schnell Duschen, denn
das Abendessen stand schon auf dem Tisch.
Für mich war es das für den Juni, nach 3 Fahrtagen und 790km Fahrstecke !
Mr. 40-Stroke