Rennbericht Enduromeisterschaftslauf Kroatin in Labin
Liebe Freunde, Verwandte und Dirtbikers,
hier also der Bericht vom ersten kroatischen
Enduro-Meisterschaftslauf 2002 in Labin/Istrien:
Nach einer anstrengenden Woche Freitagabend
packen, zum Glück kommt Didier auf Besuch vorbei, den stelle ich gleich zum
Kochen an...dadurch spare ich zwei Stunden Hausarbeit.
Samstagmorgen um 4 klingelt der Wecker, meine
Schwester kommt mit Mann und Sohn Lulu und Campingbus auch mit. Lulu hat
seinen Ausweis nicht dabei, wir denken mal, das geht mit einem Fax von der
deutschen Gemeinde...
Abfahrt um 5, kurz nach 6 gibt's bei Palmanova
schon den Sonnenaufgang, kein Mensch unterwegs, die Psychose wegen
Osterfamilien war unbegründet.
An der Grenze zu Slovenien dann der Schock:
ohne Ausweis nix zu machen...so ein Mist, wir hatten alles so schön geplant.
Letzter Hoffnungsschimmer: Katha fährt zum
deutschen Konsolat nach Trieste, aber nachdem, was wir in Venedig auf dem
Konsolat schon gesehen haben (unsere Steuergelder verprassen die auf
Cocktailparties und sind zu faul, zu alt und zu deutsch, um eine aussagefähige
Bescheinigung auszustellen...) bleibt wenig Hoffnung. Also, Brötchen und Zelt
umladen, schweren Herzens fahre ich alleine weiter, während die anderen
umdrehen.
Vom Grenzübergang Pezek geht's bis Kozina, von
da nach Süden auf der N° 10 bis Rizana, ab da Richtung Osten Buzet bis
Lupoglav. Landstrassen zweiter Ordnung, Asfalt noch recht gut, spektakuläre
Landschaft mit Kalkfelsen (für Retti: und Grabenbrüchen, die Plesse in
Wanfried ist dagegen ein Stolperstein...).
Ab Lupoglav Richtung Süden auf gut ausgebauter
Bundestrasse. Achtung: man muss in jedem Ort mit Radarkontrolle rechnen.
Auf dieser Bundestrasse schlecht
ausgeschilderte Abzweige, verpasse prompt meinen nach Labin, das wäre "Pazin
Istrez" (oder so ähnlich gewesen) und fahre weiter bis Zminj und folge
dort der Beschilderung Barban. Ab da Richtung Norden (Rijeka), durch Labin
durch und am Ortsende nach links Richtung Vinez, auf ca 5-6 km immer der
Hauptstrasse folgen bis nach Martinski, vereinzelt gibt es Schilder "Enduro".
Ab Trieste hat diese Tour noch mal gut 2 1/4
Stunden gedauert-uffffff!
Fahrerlager bei der Crossstrecke auf einem Hügel
mit wunderschönem Blick ins Umland, sind so ca 50 Autos und Wohnmobile da
(die Kroaten fahren fast alle VW T4 als Renntransporter).
Waschwasser gibt's im Wasserfass, Plastikklo
ist da mit ....Klopapier (!), keine Bar (!!!!) oder Laden in der Nähe.
Papierabnahme, 40 Euros, Moppet direkt in den Parcfermè ohne
Kontrolle, es sind auch echte Crossmoppetts dabei.
Als ich die Zeiten sehe schwant mir Böses: für die ersten 15
KM 50 Minuten, für die letzten 28 KM 45 Minuten...sollte der erste Teil wohl
technisch sein?????
Ziehe mich an, als ich zum Start gehe sehe ich das Auto meiner
Schwester geparkt!!!!!! Die haben den Jungen über vier Grenzkontrollen im
Schrank versteckt...mitsamt Hund!!!!!!
Ich will garnicht dran denken, für sowas bin ich einfach schon
zu spiessig.
Start in Zweiergruppen jede Minute ab 12.00.
Digitale Uhren die per Satellit koordiniert sind? Fehlanzeige!
Hier wird noch per Hand jede Minute eine Anzeigetafel umgelegt, so wie damals,
als der Erwin Schmider das erste Mal in Eschwege gefahren ist (...1952...??
Lebt der eigentlich noch???).
Es geht los auf Singletracks über Schafweiden
zwischen Latschenkiefern hindurch, eine braune Erdspur ist mit Steinen übersät.
Ich fahre vorne VeeRubber Enduro und hinten VeeRubber Cross
(neu...60 Euros...aua!!!) mit jeweils 1.2 bar-gehen ganz gut.
Nach 3 km das erste und einzige Asphaltstück von 200 m! Danach
wieder Singletrack auf zugewachsenen Feldwegen, nach weiteren ca 5 km geht der
Trail direkt durch den Pinien- und Eichenwald-Harescramblemässig: erster,
maximal zweiter Gang, längste Gerade 20 Meter, rechts, links, der Lenker geht
gerade zwischen den Bäumen durch, mit einem Mountainbike ginge es
wahrscheinlich schneller. Es folgt eine nette Abfahrt, ca 1 km richtig steil
mit zwei Kurven zum Absteigen und Schieben, danach feuchter Waldweg mit
Fussballgrossen festen Steinen bergab, so richtig zum Laufen lassen.
Bahnschienenunterquerung mit Absteigen und Schieben, danach
Sonderprüfung im Trialstil: ein km auf Wiese, danach in ein Waldstück, 2 km
alles im ersten Gang: es geht ca 6 mal durch einen 1 m tiefen und 2 m breiten
Graben, danach jedes Mal 180° Kehre und 10 m den Wald hoch. Es riecht wie in
einer Salatschüssel, alles voll mit Schattengewächsen, abschliessend noch
mal 1 km Wiese Slalom.
Und dann: die erste von 3 traumhaften Singletrack
Rocktrail-Auffahrten (wie Millers Jeep Trail in Gorman...): Ballgrosse Wacker,
bergauf, Gas, locker lassen und immer das Frontend leicht halten. 3 km vom
allerfeinsten, die zweiten österreichischen LC-4 Fahrer kommen in echte
Schwierigkeiten (die ersten sind schon an der Steilabfahrt verzweifelt...),
noch 6 km Trial durch den Wald, technisch anspruchsvoll, bei Regen schwer (es
war übrigens Pfurztrocken).
Zeitkontrolle: 10 Minuten Wartezeit, man steht in einer
sympatischen Gruppe von Kroaten, Slovenen, Eschtreeichern, Italos und
Deutschen in einer wunderschönen Wiesenaue und schwätzt vielsprachig.
Nach der ZK rund 10 km Swinging und Wheelie-popping am
Flussufer-hier geniesse ich echt die WR: 5. Gang, an kurzen Absätzen das
Vorderrad lupfen, stehend durch die Kurven-bin echt zufrieden mit dem Moppet.
Dann folgt die zweite "King of the Rocks" Auffahrt:
ca 4 km lang, super zu fahren, immer unter Zug.
Danach Abfahrt der gleichen Art, ca 5 km-mein Moppet ist etwas
nervös. Stelle später die Kompressionsdämpfung vorne um 4 Klicks und hinten
um 6 Klick zurück-geht um Welten besser.
Letzte Rockauffahrt ca 4 km, am Schluss über
Weinterassen, zum Abschluss zweite Sonderprüfung auf Betonharter Crosstrecke
ca 2 km mit einigen Jumps.
Also, 43 km , davon 42.8 km Offroad vom
allerfeinsten wie ich das seit Californien nicht mehr gefahren bin-und das
ganze 270 km vor der Haustür-ich habe mein Amerika wiedergefunden....
Zweite Runde macht noch mehr Spass, in der dritten Runde
absolutes Geniessen-Fahrstil verbessern, konzentriert fahren, Felsen
wiedererkennen und präventiv das Vorderrad lupfen....ein Traum von
Endurofahren.....
Crosstrecke zum Abschluss zweimal als Sonderprüfung.
Ergebnis: 4-Taktklasse 9. von 32, Gesamtwertung 12. von 74!
(Freu......!!!).
Leider sind nur drei von 7 Sonderprüfungen gewertet worden-ab
und zu hat der Strom gemangelt....
Abends mit der Familie grillen, um 21.00 bin ich fix und
fertig, Kopfweh...zum Glück gibt's im Campingbus noch einen Platz für mich
zum Pennen.
Sonntag Start um 11, zwei Runden, bin ziemlich k.o., starke
Staubentwicklung, aber absoluter Fun.
Ergebnis: 4-Taktklasse 9. von 31, Gesamt 2-Tagewertung
27. von 88 (Sonderprüfungszeit erster Gesamt: 573.7, meine Zeit 622).
Ich will nich jammern oder noch Weltmeister werden, aber die
Zeiten waren schon ein bisschen komisch....und die Sonderprüfungen viel zu
kurz.
Anyway: die Jungs geben sich echt Mühe und sind wirklich nett.
Wer dort Ulaub machen will: 00385-91-520 4389, Renko ist der
Eigentümer von der Crosstrecke. Kosten: nur Crosstrecke 7 Euro/Tag, campen 3
Euro/Tag (pro Auto). Er macht auch geführte Endurotouren zum Preis von 16
Euro/Tag auf 200 km Singletrails (Minimum so 4-5 Fahrer).
Er hat wegen "wilden" nordeuropäischen Endurotouris
mit der Bevölkerung zu kämpfen ...
Viele Fahrer haben übrigens mehrmals am Tag
plattgefahren, aber ich glaube, das kommt viel auf den Fahrstil an.
Wenn's trocken ist kann man fast mit Strassenreifen fahren-also
deshalb für das 8 h Rennen einen neuen und einen leicht gebrauchten Reifen
mitnehmen...
Gesamtstrecke 5 Runden in 2 Tagen 185 km mit Durchschnitt 36
km/h, rund 5 Stunden reine Fahrzeit.
Crashen auf den Felsen ist übrigens absolut out-da tut man
sich weh!!!!
Nach dem Rennen sind wir nach Rabac auf einen noch
geschlossenen Campingplatz gefahren und haben dort wild direkt am Meer
gepennt. Habe mein Auto mit Hänger während dem Abendessen (Rambascka oder
so...am Anfang des Hafens, 50 Euro für 4 Personen echt ok, Wein war nix,
besser Bier....) unbeaufsichtigt gelassen-nix passiert.
Rückfahrt: sind die andere Strecke gefahren: Labin nördlich
raus Richtung Rijeka, ca 10 km Vozilici links ab nach Pazin: furchtbare Rüttelplatte,
katastrophale Strasse. Ist zwar kürzer, aber die Südanfahrung ist besser zu
fahren.
Wer von Norden die Küstenstrasse kommt: nach dem Ortseingang
Labin kommt rechts eine INA-Tankstelle, nach der geht es die zweite Strasse
rechts nach besagtem Vinez...
Grenzübergänge (deren 4) mit Lulu im Schrank....habe mir vor
Bammel fast in die Hose gesch....ist aber alles gut gegangen.
Osterheimreiseverkehr vermieden, um 5 waren wir in Mirano.
ALSO: ICH SUCHE JEMANDEN, DER
ROCK-ERFAHRUNG HAT UND MIT MIR IM TEAM UM DIE SERIÖSE ENDPLAZIERUNG FAHREN
WILL.
Ich will jetzt nicht rumlallen, aber auf den
Verbindungsetappen hat mich keiner überholt-ich will's wissen, Freiwillige
bitte vor!!!!
(Für Hanno: irgendwelche Kommentare sind absolut unerwünscht!!!!!!!!)
So long, Don Nikko