Rennbericht Enduro-Pokal Sonnefeld (28.7.02)
(von Mr. 40-Stroke, Fotos von Mr. 40-Stroke und www.enduroteam.de)

 

Alter, Krankheit, Unabkömmlichkeit im Job, familiäre Verpflichtungen, kein Geld, Umzug, angeschlagenes Moppett und und und und und....

Das waren die Ausreden der "Möchte-Gern-Racer".

So begab es sich, dass nur Hanno und seine 520er den Weg nach Sonnefeld unter die Räder nahm.
Wie immer war das Fahrerlager im Innenhof des Domänenhofs traumhaft schön angelegt.
Wie in den letzten Jahren hatte ich ein Einzelzimmer im Hotel Grenzhof reserviert (super Zimmer, Fitnessraum, Pool, tolles Frühstück um 6.00 Uhr  usw. alles für 25,-€uronen/Nacht).
Wie jedes Jahr war die Sonderprüfung einmalig, harte breite MX-Strecke, Waldquerung, abgeerntete Felder, super Sprünge, mannshohe Anlieger und die für Sonnefeld typische "Schnecke" (in der SP eine schneckenförmige Kurve die sich einkringelt, die in der Mitte einen Wechsel hat und sich wieder entkringelt).
Wie jedes Jahr war die Strecke sehr abwechslungsreich, lange Waldpassagen, Schlammlöcher, mittelsteile Auffahrten, Feldwege, lange abgeerntete Felder, Feldwege und der nicht enden wollende wellige Bahndamm

Dann im Fahrerlager die Überraschung  -- Giovanni Sala ist als Starter gemeldet !!!! Er sieht aus als als kommt er gerade von einer Schlägerei, mehrere tiefe (genähte) blutige Narben im Gesicht.

               www.enduroteam.de

Aber warum ist er hier ?
Der deutsche Fanclub sitzt in Coburg und die haben ihn eingeladen, so wird viel "Zirkus" um den Gio gemacht, jeder will ein Autogramm oder Foto mit ihm, er steht das mannhaft durch, auch wenn ich meine dass er nicht nur Wasser trank......

Am Renntag war sommerliches Wetter, und trockenes, hartes Geläuf. Aufgrund der Strecken und Zeitangaben erwartete ich zwischen ZK 1 und ZK 2 und zwischen ZK 2 und ZK 3 knappe Zeiten. In den letzten Jahren war vom Start zur ZK 1 immer sehr sehr knapp, aber diese Etappe war reichlich bemessen. Nach der ZK 1 kam die SP. Die SP war sehr schnell gesteckt und lang. Meine Fahrzeit lag bei 8 1/2 Minuten. Nach der SP kam eine Etappe von 46 Minuten zur ZK 2. Ich mußte angasen. das war auch alles OK, aber dann kam langsam der Durst. Bei 28 Grad und staubigen Verhältnissen schwoll meine Zunge langsam an. Der Fahrrythmus wurde von den schwer zu fahrenden Schlammlöchern immer wieder unterbrochen. 

           

Genau auf meine Minute kam ich an die ZK2, als nix mit relaxen und nix mit trinken ! 38 Minuten bis zur ZK 3 versprachen nicht einfacher zu werden. Die Strecke war etwas einfacher, aber die Schlammlöcher dafür tiefer und länger. +1 Minute an ZK 3 reichten endlich für einen tiefen Schluck aus der Trinkflasche (ein Camelbag ist glaube ich nicht schlecht!).
An Start und Ziel (ZK 4) war 10 Minuten Zeit zum tanken.
Dann kam die Überraschung, ab der 2. Runde A-Zeit und von ZK 1 bis ZK 3  6 Minuten schneller fahren.
Das wird nicht einfach dachte ich.
2. Runde: In der SP wollte ich die erhöhte Grundgeschwindigkeit anlegen, Resultat 2x verbremst und in den Notausgang und einen Sprung nur als Passagier mit viel Glück gestanden.
>> -- kurz vor dem Absprung versetzte unvermutet das Hinterrad und ich bin, im 3. Gang recht flott, quer abgesprungen, mit den Füßen von den Rasten, nur mit dem rechten Oberschenkel auf der Sitzbank kam ich neben der Strecke im hohen Gras auf --<< ohne nachzudenken wieder auf die Strecke und weiter. Ich mußte flotter fahren um die Zeiten einzuhalten. +/- 0 an ZK 2 und weiter. Nach ca. 40 km in der 2. Runde rausche ich an einem Feldrand lang, bekomme urplötzlich einen heftigen Schlag auf des Vorderrad und kurz danach stehe im im 4. Gang quer, das Hinterrad schlägt aus und ich hänge wie ein Fähnlein nur noch mit den Händen am Lenker, das Hinterrad überholt mich und ich segle in den Graben.  Es muß sich ein großer Stein durch das Vorderrad aufgestellt haben, der dann das Hinterrad zum wegspringen brachte. Ich weiß nicht wie aber irgendwie bin ich heil davon gekommen (ich glaube meine "Naturprotektoren" hätten nicht viel abgehalten) und ich stand pustend im Graben.
Hätte ich eine Zigarette gehabt hätte ich eine geraucht.
Das war`s war mein spontanes Resümee. An die SP düsen und den Sala anschauen war mein Ziel, denn 2x Passagier ist zuviel, ich muß ja noch weiter leben und meine 3 Frauen wollen wieder Lacksandalen !!!!!
Erleichtert trinke ich meine Flache leer und fahre querbeet durch Wald und Feld ca. 15 km schönstes Gelände zur SP (durch das Rennen und die Startnummer besaß ich ja Narrenfreiheit .....)

                      

Sala in der Sonderprüfung ist ein Ereignis !
Traumwandlerisch sicher kommt er angegast, sofort erkennbar, dass er härter aber trotzdem weicher fährt als alle anderen, er bremst sehr sehr spät, das Umsetzen in die Kurve erfolgt ohne Verzögerung, das Beschleunigen ist enorm, er sieht jede kleine Rinne und haut sich rein als wäre es ein Monsteranlieger, und hat ein instinktives Spuren Suchgerät eingebaut. Alle Anlieger passen mit max Speed, die Sprünge passen auf den Punkt (nicht zu weit, genau auf den Punkt gelandet)  -- sehenswert. (ich habe 2 Videos gemacht, die ich auf Anfrage per eMail versende)

Ich bin wieder auf das Moppett gestiegen und in den Wald abgebogen, ich wollte mir noch ansehen wie er durch das Schlammloch fährt. Ich orientierte mich an der Sonne und setzte Richtung Westen.
Das Schlammloch war spektakulär, ich bin in meinen Runden immer ganz gut durch gekommen, aber was sich hier bei den B-Lizenzlern zeigt ist hart, die Jungs stecken überall fest, keiner sucht eine gute Spur, nur rein und festfahren .....

Sala und die anderen A/I-Lizenzler kommen, Sala schaut kurz (2 sec) wählt eine Spur und fährt völlig unspektakulär durch, die richtige Mischung zwischen Speed, Gripp und heben, ziehen und schieben.

So das war´s, schöne Veranstaltung, wie jedes Jahr.

Ergebnis:
Sonderprüfungszeit
Hanno                       8.21 min    (reicht für 17. Platz in der Senioren DM, 40 Starter)
Sala                          7.18 min
schnellster Deutscher 7.35 min
schnellste Frau          7.45 min !!!!!!!!
Anmerkung:
Dei Tussi fährt wie ein Kerl, nur 10 sec langsamer als als die deutsche Spitze und pro Sonderprüfung 2 1/2 min schneller als die anderen Frauen, der Name sagt mir nix, es ist keine der bisher bekannten Enduro-Damen. Ich habe sie in der SP gesehen und kaum glauben können, dass es eine Frau ist. Sie ist unter den schnellsten 20 Racern in der Gesamtwertung über alle Klassen !!!!!!!!!!!!!!!  --  wirkliche Anerkennung !!!!!!!!!!!

Resümee:
Hanno verliert auf Sala pro Fahrtminute ca. 7 bis 8 sec in der Sonderprüfung.

Hanno