Enduro DM Uelsen
03.März 2002
Auftakt mit Hindernissen gab es für die Husqvarna-Fahrer: Neue Viertakt-Motorräder
waren nicht zu bekommen und so waren zumindest die 250er-4-Takt-Fahrer gezwungen
auf andere Marken auszuweichen: Marcus Hankel (Platz Drei!) und Rüdiger
Bachmann (Platz Acht) waren auf Yamahas ausgewichen (aber mit
Husqvarna-Fahrerhemd) und Dirk Schumann wollte eigentlich die fünf Jahre alte
Kawasaki von Werner Rabl bewegen, doch die beiden kamen nicht sehr weit.
Zwei neue Schweden haben wir in der Meisterschaft zu begrüßen: 400er Pilot
Torbjörn Bäck, der im letzten Jahr noch im KTM-Team
fuhr, wurde hausintern zu Husaberg versetzt. Er ist ebenso wie sein Teamkollege
Andreas Toresson in der großen 4-Takt-Klasse mit Deutscher Lizenz unterwegs -
allerdings wurde das quasi über den Kopf von dem deutschen Husaberg-Chef Jörg
Steenbock so entschieden ...
Unter Wert geschlagen uns sichtlich entäuscht zeigte sich Bäck, der vor dem
WM-Auftakt auch noch eine neue Gabeleinstellung seiner 400er Husaberg probierte.
Dabei stürzte er im Sand nicht nur gleich viermal, sondern quetschte sich in
der zweiten von drei Runden dabei auch noch schmerzhaft den Finger an den
Kupplungsamaturen. Wesentlich besser setzte sich da sein Teamkollege und
Landsmann in der großen 4-Takt-Klasse in Szene. Nachdem Andreas Toresson beim
Start die Husaberg nicht rechtzeitig zum Laufen bekam, wurden zwar schon
schlechte Erinnerungen an die letzte Saison wach, wo der Schwede lediglich durch
seine zahlreichen technischen Ausfälle auf sich aufmerksam machte. Danach
konnte er aber sogar noch vier der insgesamt sechs Sonderprüfungen knapp vor
Weltmeister Anders Eriksson gewinnen, der aber in der Addition aller Tests doch
noch etwas über fünf Sekunden schneller war – zusammen mit den 10
Strafsekunden der Startprüfung gab das mehr als ein viertel Minute Differenz,
womit Toresson dann doch zweitschnellster Fahrer des Tages wurde.
Die 250er 4-Takt-Klasse gewann der Pole Bartosz Oblucki auf der Werks-Husqvarna
mit einer Minute Vorsprung vor Arne Domeyer. Auf Domeyers DM-Chancen hat das
aber keinen Einfluß, weil Oblucki keine Freigabe vom polnischen
Motorsportverband bekommen hatte und deshalb nur für das Cahmpionat und nicht
die Meisterschaft gewertet wird.
Neuer Mann auch im Suzuki-Team bei Dirk von Zitzewitz: Allerdings kämpfte Jade
H. Gutzeit aus Südafrika mehr mit den Gesetzen der Schwerkraft als mit der
Konkurrenz. Der Südafrikaner ist zwar verdammt schnell, aber noch zu unbeständig,
vielleicht liegt ihm aber auch nur der Sand nicht besonders...
Bester neuer Fahrer aus den eigenen (deutschen) Reihen wurde Aufsteiger Marcus
Kehr: Auf der 125er Husqvarna führte sich der Pokalsieger des letzten Jahres
mit einem zweiten Platz in der 125er-Klasse und einem neunten Rang in der
Gesamtwertung nachdrücklich in der Deutschen Meisterschaft ein.
Überhaupt schlugen sich die Aufsteiger sehr beachtlich, allerdings kassierte
Oliver Rehm Vize-Pokalsieger in der großen 4-Takt-Klasse, bei seinem DM-Debüt
eine Strafminute, weil er vor der Sonderprüfung mit seiner Jacke auch seine
elektronische Stempelkarte abgelegt hatte und die erst holen mußte.
250er-Pokalsieger Andreas Weber lag leider mit Grippe im Bett, er hätte nämlich
im Suzuki-Team bei Dirk von Zitzewitz starten sollen.
Der selbst war aber nicht am Start, weder bei den 125ern um seinen Titel zu
verteidigen, noch bei den 250ern, wo er schon genannt hatte. Aber der
Norddeutsche kam direkt vom Lehrgang aus Südfrankreich nach Uelsen und meinte,
dass er für sich eigentlich überhaupt keine Zeit mehr hätte: Erst müßte er
sein Geschäft und die Lehrgänge ordenlich zum Laufen bekommen. Allerdings gab
er nach dem Wettbewerb schon zu, dass nur danebenstehen ganz schön unangenehm
sei - schließlich sei man als Teamchef genauso aufgeregt, als ob man selbst
fahren würde.
Leider mußte aufgrund der Witterungsbedingungen unheimlich viel Strecke
umgeleitet werden, es hatte eben auch in Uelsen drei Wochen am Stück geregnet -
zum Glück (nach Meinung vieler Fahrer) war aber auch das große Wasserloch, die
Durchfahrt durch den Wassergraben von Anfang an gestrichen worden.
Dafür bot man aber wieder zwei Sonderprüfungen: Die eine in der Sandgrube (mit
noch mehr Acker und statt dem Wald ein Feld mit Baumstümpfen) und als Zweite,
die kleine Cross-Strecke, direkt am Fahrerlager, die sonst auch schon teilweise
als Fahrerlager mit genutzt wurde. Aufgrund der Nässe haben aber immer mehr
Fahrer lieber im Industriegebiet auf Asphalt geparkt, so dass die Prüfung dafür
frei gehalten werden konnte.
Höchst erfreulich, schon um 16:00 Uhr hingen bereits die Ergebnisse der
A-Lizenz.
Ebenfalls höchst erfreulich: Peter Breuer fährt wieder!!! Nachdem er an Leukämie
erkrankt war, mußte man schon das Schlimmste befürchten! Doch nun ist er
wieder am Start und wird erst mal wieder sehen wie es so geht: In der
250er-4-Takt-Klasse belegte er zwar den letzten Platz, hat sich aber immerhin
wieder durchgekämpft!
von Hofberichterstatter Robert P.