Chabo - Intensiv Herbst 2002
(DR-Peter, Drossel-Jörg, "frugi", Mr. 40-Stroke)

Über die Querelen im Vorfeld decke ich den Mantel des Vergessens, aber ..............

Ein kleines bebildertes Tagebuch:

3.10.02 (120km, 4 Std. Fahrzeit, 3.700 Höhenmeter)
Dunkel und kalt war es als wir um 5.00 Uhr die Segel gen Süd/Westen setzten und die Autobahn nach Lindau abritten, The lonesome Riders in the Non-Turbo-"frugi"-VW-Bus warteten auf die Berge die da kommen sollten.....
Die Berge kamen in 2-facher Hinsicht, zum Ersten den für den Non-Turbo-"frugi"-VW-Bus fast unüberwindlichen San Bernardino Pass ( 55 km/h bei Vollgas, lichthupende LKW im Rückspiegel) und zum Zweiten stand der Chabo uns im Weg, den wollten wir mal wieder bezwingen.
14.00 Uhr abladen am Supermarkt in Oulx, Mittagessen, noch schnell einen kleinen Service an der 520er von Drossel-Jörg und los:

                                     
Zuerst war lockeres Einrollen angesagt, also die Singletrials am Bach über Chateau,

Colomion (die Hütte      ist im Juni verlassen, scheinbar im Sommer aber bewirtschaftet), Campo Schmitt, Bardonecchia auf den Sommellier.
            
(Bitte beachtet, dass der Gletschersee ausgetrocknet ist !!!!)

           

Die Rückfahrt über Fort Bramafan, Rifugio Rey, die "Schokorinne" auf den Bierhügel war wieder ein Genuß, auch wenn unser Ostfriese Drossel-Jörg in der Schokorinne schwächelte.

     Das Bierchen auf dem "Bierhügel" schmeckte wunnnnnnebaaaaaaaaaaaaaaaar !
Nach 120km und 4 Std. waren wir zurück und checkten im Hotel ein.
Das Hotel Chaberton in Cesana    ist komfortabel mit großen sauberen Zimmern und einer Tiefgarage ausgestattet. Für 30,- Euronen (Ü/F) sind die Leute sogar motorradfreundlich.
Da wir schon feststellten, dass überhaupt keine Leute zu sehen waren waren auch in ganz Cesana nur 1 Pizzeria offen, am Ortsrand noch einmal eine Pizzeria. Die nette Italienerin die wir nach dem Weg fragten wies uns den Weg, nur bei der Entfernungsangabe lag die Dame um einiges daneben.

4.10.02 (150km, 9 Std. Fahrzeit,  5.600 Höhenmeter)
Nach dem Frühstück war an der 520er von Drossel-Jörg ein kleiner Service fällig (Schutzblech lose),

    aber voll motiviert saßen wir um 9.15 Uhr auf den 520ern. Heute wollten wir es richtig angehen lassen. Zuerst nach Sagnalonga hoch, bis auf den höchsten Punkt am neuen Sessellift.
        Von da aus schauten wir in der Morgensonne auf den Chaberton und auf den  7-Colori-See, auch der "Widowmaker" lockte. Da uns keine Menschenseele begenete, beschlossen wir an den See runter zufahren. Unten standen wir vor dem "Widowmaker" und sahen Spuren in der Auffahrt nach obern führen. Die Jungs schauten mich fragend an, da ich schon im Vorfeld die Geschichten über die Auffahrt erzählte. Also, durchatmen, der Legendenbildung Rechnung tragen Anlauf, 3. Gang voll und rein in den Hang, am Querweg zurück in den 2. Gang, die 520er zieht super durch, der Gripp ist auch OK, die Felskanten hoch, Gas kurz gelupft und Vollgas weiter, die Drehzahl sinkt, den 1. Gang rein gehauen, Höchstdrehzahl, die 520er wimmert, baggert aber hoch, durchatmen und oben.
So, ich bin oben die 3 Jungs stehen unten. Jetzt sind sie in Zugzwang, wenn der alte fette Sack da hochkommt ......
Drossel-Jörg nimmt Anlauf, es passt alles, nur die Felskante hebt ihn voll aus, er kann den Schwung aber mitnehmen und zieht den Hang hoch, auch oben, für einen Ostfriesen nicht schlecht. Als nächstes der DR-Peter, zu wenig Mumm = Schwung, er verreckt  kurz oberhalb der Felskante, neuer Versuch, 10m weiter gekommen, wieder neuer Anlauf, mit dem Mut der Verzweiflung fräst er sich im 1. Gang und Höchstdrehzahl die letzten Meter hoch. "frugi" als nächstes, volles Rohr bei "voller Hose" war die Devise und geschafft. Grinsend stehen wir oben.
Runter nach Bousson und an der Wasserleitung rauf nach Sestriere einen Cappo trinken. Leider hat unser Standard-Caffe wegen Umbau geschlossen, also ein andere Lokalität gesucht und einen Cappo reingeschüttet, das schmeckt und tut guuuuuuuuuuut.
Weiter über Colle de Basset, Rif. CiaoPais, Oulx  nach Chateau. Jetzt den Einstieg in den "Goldenen Weg" in Richtung Chabo.
Der "Goldene Weg" ist stark ausgefahren, eine deutliche Reifenspur zieht sich nach oben. Da alle Trocken ist, ist der Singletrial gut zu befahren, nur an der üblichen Wurzel nimmt DR-Peter eine Bodenprobe.
     
                   DR-Peter                                          Drossel-Jörg                                 "frugi"
Jetzt wartet die alte Seilbahntrasse, ich gebe der 520er die Sporen und komme hoch, irgendwie hatte ich die Auffahrt aber leichter in Erinnerung, geschafft ! Oben packe ich den Foto aus und höre die Jungs unten in der Auffahrt rumwühlen, aber keiner kommt bis zur Hälfte hoch, nach dem 5.  bis 10. Versuch entscheiden die 3 Jungs den "She`s-Way" und die Häme auf sich zu nehmen, also auch oben. Die 2. Hälfte der Lifttrasse schaffen auch der Ostfriese, der Südtiroler und der Münchner.
Weiter geht es auf dem Singletrial Richtung Lago di Desertes und Gipfelkreuz.
  
Der Weg fordert seinen Tribut, so hatten "frugi" und seine KTM kurz vor dem Gipfelkreuz Betriebstemperatur (die KTM kochte).   
Weiter ging es auf der Chabo-Zufahrt dem Gipfel entgegen. Das Wetter passte, es war bewölkt und nicht so heiß. Die Auffahrt gestaltete sich im unteren 1/3 eher leicht mit einigen langen abgerutschten Stellen, der mittlere Bereich war schwer zu fahren, die vielen melonengroßen Steine machten das Fahren mühsam. Wir kämpften uns hoch, DR-Peter war an und über seiner Leistungsgrenze, er fand keinen Fahrrhytmus und fusselte alles hoch. Das letzte 1/3 war eher leicht zu fahren, auch wenn nach dem gespaltenem Fels der Weg weggerutscht war und man nur 10 cm Spur mit dem Lenker am Fels hatte. Die linke Fußraste schaute in den 500m tiefen Abgrund, da mußte ich durchschnaufen.

    
        untere Abgerutschte Stelle                                Blick auf den Sattel             

Oben gestand DR-Peter ein am Leistungslimit zu sein, aber wir alle waren uns einig, dass aufgrund er Dauerbelastung der Chabo schwer zu befahren ist. Rückblickend betrachtet ließ sich der Chabo wie in den vergangenen Jahren fahren, nur die abgerutschten Stellen waren länger und schwerer.
 
Wir fuhren die normale Chabo-Strecke wieder runter, die Schranke war offen, wir rollten aber leise ohne Motor an den Häusern vorbei.
Den Abend verbrachten wir im Nobel-Resaurant Casas Alpini. Die Hütte war so nobel, dass wir die Speisekarte nicht lesen konnten und das bestellten was am lustigsten klang, es hat sehr gut geschmeckt, war aber auch nicht ganz billig.

5.10.02  (230km, 10 Std. Fahrzeit,  8.100 Höhenmeter)
Nach erneutem kleinen Service (Radlagerschaden vorn an der "frugi" 520er) , die Radlager vielen beim Radausbau entgegen, kamen wir auch wieder früh, gegen 9.30 Uhr, auf den Schotter.
Über Oulx, Chateau, Le Puy Colomion, ging es zum Fort Mulatieri. Die Auffahrt war von deutschen und schweizer Enduristen bevölkert, es entstand zeitweise ein Rennen Richtung Mulatieri, zum Teil ging es Lenker an Lenker in die Kehren.
Oben am Fort Mulatieri    verweilten wir nur kurz und fuhren hinten Richtung Colle de Echelle bergab. Wegen einer fehlenden Schraube an meinem Vorderrad rutschte die Achse aus den Gabelfäusten und ich mußte basteln.
              Nach 15 Minuten ging es weiter, unsere Tagesetappen war noch lang.
Nun stand er Colle de Rho an, da sollten sich die Männer von den Mädchen trennen. "frugi" hat schon am Abend festgelegt, dass er hochfahren wird, auch wenn er bis zum Umfallen kämpfen muß. Dass wir die "richtige Strecke" nach oben nehmen war von vorenherein klar.
So verweilten wir kurz nach der 1. Bachquerung, sammelten uns und los. Ich fuhr als erstes und kam ganz gut hoch, bis zu der Stelle wo wir normalerweise immer hängen bleiben, im 2. Gang bekam ich einen derben Schlag aufs Vorderrad und mußte Gas wegnehmen, so blieb auch ich an der üblichen Stelle hängen. Wie sah es mit den Jungs aus ?
DR-Peter kam bis auf meine Höhe, "frugi" ca. 3 m weniger hoch, Drossel-Jörg mußte schon vorher die Segel streichen.
Ich rollte 100m runter und nahm erneut Anlauf, mein 2. Versuch war erfolgreich, im 2. Gang prügelte ich die 520er durch den Schotter hoch, ich hatte die erste schwere Stelle gefahren.
Die Jungs hatten verschiedene Arten über die "Magnetische Stelle" zu kommen, "frugi" und DR-Peter wendeten Gewalt an und schoben und drückten im 1. Gang bei Höchstdrehzahl die kochende 520er zentimeterweise aufwärts.
     
Drossel-Jörg versuchte die Strecke zu fahren, nach dem 7. Versuch gab ich ihm keine Chance, aber plötzlich, mit dem Mut der Verzweiflung flog der über die Steine und war auch an der 2. Bachquerung.
Drossel-Jörg zeigte Verschleißerscheinungen, sein Kopf war gerötet, der Puls bei 180. Er dachte die Schwierigkeiten seien vorbei, aber ich belehrte ihn eines Besseren, das wollte er aber nicht hören.
Die weiteren Auffahrten habe ich in üblicher Weise, fahren bis kurz vor den Kollaps - dann warten bis Puls wieder auf 100 ist und weiter, gefahren, und ich dachte die Jungs schaffen das schon, aber "frugi" brauchte mehrere Versuche um den "Kamm" zu bezwingen, Drossel-Jörg war ganz still, kam immer nur 2 Kehren weit und sackte über dem Lenker entkräftet zusammen, DR-Peter hat eine Kondition wie Lance Armstrong und kann eine Belastung im Bereich 180 Puls über längere Zeit gut vertragen, er schob, zerrte und drückte seine 520er nach oben. 15 Minuten nach mir erreichte er den Gipfel, weitere 10 Minuten später kam ein völlig erschöpfter Drossel-Jörg mit "frugi" als Begleitung auch oben an. Auch geschafft, alle ohne fremde Hilfe den Colle de Rho geschafft = zufriedene Gesichter.
                                                                  

Die Abfahrt gestaltete sich sehr einfach, nach der Mittagspause am Fort fuhren wir über den rechtseitigen neuen Weg zurück in Tal. Der neue Weg ist so breit geschoben, dass man mit dem Auto fast bis ans Fort fahren kann.
     
Auch Tunnel wurde gebaut, so dass jeder Transalp-Fahrer mit Koffern, Topcase, Tankrucksach und Sozi auf den Colle de Rho kommt, sehr schade, der Reiz wird in Zukunft weg sein.
Wieder zurück in Bardonecchia ging es gleich wieder hoch, der Jafferau lag an. Die Auffahrt ist ohne Probleme, auch der senkrechte Shortcut zum Gipfel stellte kein Problem dar, auf dem Gipfel das obligatorische Foto gemacht und runter Richtung Susa.
    
Der Ausblick auf die Grotten ist auch nach 17 Jahren noch beeindruckend.
 
Runter nach Susa und den Col de Finestre rauf und die ganze Asietta bis Sestriere lang war unsere weiter Strecke. Den Finestre rauf haben wir es uns so richtig "besorgt", die 520er auf Teer durch die Kehren  driften, die nächste Kehre im Beschleunigungswheelie anbremsen und das gleiche Spiel 15x hintereinander, vier 530er neben und hintereinander ....... - suuuuuuuuuuuuuuper !!!!!!!!!!
In der Abendsonne ein Abschiedsfoto an der Gipfelstation hoch über Sestriere mit Blick zum Beginn der Asietta Kammstraße.
                           
und zum Abendessen runter ins Tal.

6.10.02  (100km, 3 Std. Fahrzeit,  2.900 Höhenmeter)
Unsere Sonntagmorgen Runde haben wir einfach an den Chabo verlegt und von 9.00 Uhr bis 11.30 Uhr noch schnell eine Runde über die Skipisten von Bardonecchia gedreht. Über Oulx, Chateau, Puy, Colombion zum Campo Schmitt, dann die Skipisten hoch bis auf 1/2 Höhe zum Mulatieri, dann wieder über Fort Bramafan nach Beaulard, rauf zum Rif. Rey, runter nach Chateau und die "Schokorinne" zum Abschluß volle Lotte hochgebraten.
Und da stand er, der Förster, bewaffnet und völlig verdutzt auf 1/3 Höhe in der Nähe des magischen Steins, wir volles Rohr dran vorbei (ich habe ihn gar nicht gesehen). OK. also beim Runterfahren rechts antäuschen und dann links in den Wald über die Umfahrung am Waidmann vorbei. Er hatte sich zwar n unsere Richtung bewegt, er sah aber schnell ein, dass er nix machen kann.
Wir haben aufgeladen und sind nach Hause gefahren, das war`s.

Mr. 40-Stroke

Zum Abschluß "Der Gipfel":
(3.150m)