DonNikko fährt Cavalcata in Italien, hier sein Bericht:

 

Samstagnachmittag auf der italienischen Endurowebsite nachgeschaut:

Motocavalcata di ........(Ortsname der Red. bekannt), 120 km Offroad, 30 Euro mit Frühstück, Imbiss auf der Strecke und abschliessendem Essen, das ganze rund 300 km südlich von hier.

Heckträger an den California Coach, drei Stunden später bin ich in einem

verschlafenen Bergdorf auf 600 m Höhe und parke direkt neben dem Startzelt.

Eine halbe Stunde später kommt noch einer aus Mantova, das war's für heute.

Penne gut im Coach, am Morgen wecken mich die ersten Moppetts der Organisation,

als ich aufstehe traue ich meinen Augen nicht: Mittelgebirge und Wald bis auf

1200 m Höhe, traumhafte Gegend, so wie das beste Gelände in Eschwege, nur höher.

Anmeldung völlig unbürokratisch, dauert 2 Minuten, 30 Euro gelöhnt, angezogen

und weg als ungefähr 20. Sind noch nicht so viele Fahrer da morgens um 9.00, ich

sehe ungefähr einen alle 2 Minuten starten.

Es geht gleich auf Schotter (hier in Italien hat es vorher rund 2 Wochen fast

ohne Unterbrechung geregnet), an der ersten Pfütze saue ich mich schon komplett

ein-das fängt ja gut an....

Ca 5 km Schotterstrasse am Hang, plötzlich gehen die Pfeile (sehr gut

ausgeschilderte Strecke) links in den Wald, Erdboden, Wasserläufe kreuz und

quer, Moppetts rechts und links geparkt, drei kommen uns entgegen und kehren

um....

Ich schaffe die ersten 100 m der Auffahrt, bin erstmal fix und alle und muss

Pause machen. Luft raus hinten auf 0.6 bar, nach einer Viertelstunde gehts

weiter, Auffahrt im Wald, teilweise in 30 cm tiefen Spuren mit den Füssen

paddelnd.....

Also, ohne jetzt im Detail die ganzen 120 km zu beschreiben...es war jede Art

von Terrain dabei:

Völlig verschlammte Waldwege mit Rückespuren und Meterlangen Pfützen

Kilometerlange Schlammspuren aus denen man nicht mehr rauskommt

einige Schotterautobahnen

Auffahrten über gepflasterte, hunderte von Jahren alte historische Waldwege,

nass-Traktion gleich Null

Trails über saftige Wiesen auf denen der Löwenzahn blüht

Abfahrten in Bergbächen, gerade mal 30 cm breit, 4 km mit Motor aus,

Kupplungsbremse und Beinen ständig unten

Auffahrten auf trockenem Kalkboden mit Traktion

Auffahrten im Wald, schattig, Schmiere auf Felsen

Slalom im tiefsten Wald zwischen den Bäumen

Klettersteig am Rande eines Abgrundes auf 1200 m Höhe

nur Sand hat gefehlt, richtig tiefer Sand...

Das besonders Nette: man trifft sich im Wald zum Pausemachen mit Leuten, deren

Namen man nur vom Endurowebsite kennt und lernt sich kennen. Als ich einer

besonders fertigen Truppe erzähle, dass wir erst 30 km gefahren sind fangen sie

zu heulen an......

Nach 50 km kommen wir an der Hauptstrasse vorbei, Gelegenheit zum Tanken und zum

Moppettsaubermachen

Danach geht es auf die zweite Etappe und ich stelle fest, das sich die ganze

Sache an den Hängen eines Tals auf einer Grundfläche von sagen wir mal 3 mal 5

km abspielt: ich glaube, es ging 10 oder 12 mal bergauf und auch wieder

bergab...nach einer mörderischen Bergabpassage 500 Meter ausruhen auf Schotter,

Schwung nehmen und uuuuuups wieder hoch ....

Nach 60 km gibts den Imbiss: in einem Dorf mit 15 Einwohneren ist in der lokalen

Bar der Tisch gedeckt mit allem Möglichen, was man sich vorstellen kann: Pizza,

Süssigkeiten, Wasser, Wein, Cafè, .....

Ich fahre weiter, bei km 85 habe ich einen totalen körperlichen Einbruch, eiere

unkontrolliert rum und halte auf einer Lichtung um erstmal eine halbe Stunde zu

schlafen....eine halbe Stunde, in der nur 2 Moppetts vorbeikommen.

Die Erholung hat gutgetan, ich fahre langsam und kräftesparend weiter, als ich

bei der nächsten Auffahrt einen im Hang stehen sehe, gibt mir das soviel

Energie, dass ich die letzten 20 km noch gut zusammenfahre.....

120km mit einem Durchschnitt von 28 km/Stunde..

Danach in die örtliche Osteria, Bauch vollschlagen und dann nach Hause.

 

Meiner Meinung nach kann soetwas die Zukunft des Enduro sein: das ganze Dorf

verdient daran (Kneipen, Tankstelle, Bars, Hotels, Abgabe an die

Forstverwaltung), die Strecke ist unter Kontrolle usw.

240Teilnehmer, davon 40 Quads(!) auf extra Trail.

Es gibt von diesen Veranstaltungen rund 2-4 pro Monat im Gebiet zwischen Po und

Rom (fast das ganze Jahr über)-wen's interessiert soll mich kontaktieren!

 

Ciao, Don Nikko