5./6. Mai Enduro WM Povaska Bystrica in der Slowakai
Auf traditionellem Enduro-Boden fand in der Slowakei das dritte
Zusammentreffen der Enduro-Elite statt: vor Ort hatte man mit einer
anspruchsvollen Streckenführung und insgesamt vier verschiedenen
Sonderprüfungen eine würdige Arena geschaffen. Zunächst aber kreuzten die
Offroad-Ritter ihre Klingen auf sehr rutschigen und schmierigem Wiesengrund, der
allenthalben für zahlreiche Stürze sorgte – Einer der ganz wenigen ohne
Sturz war Juha Salminen, der folgerichtig am ersten Tag auch die Gesamtwertung
aller Klassen gewann – Nun vier hunderstel Sekunden gefolgt von Lokalmatador
Jaroslav Katrinak, der aber am zweiten Tag durch ein Schlammloch in der
Sonderprüfung in der Wertung weit zurückgeworfen wurde.
Aber eigentlich reklamiert Stephane Peterhansel den ersten Platz für sich: Auf
den rutschigen Wiesen waren die kleinen 250er 4-Takter sicherlich nicht die
schlechtesten Waffen: "Ich war der erste in dieser Prüfung, der durch die
Lichtschranke fuhr – die Zeit hörte aber nicht auf zu laufen, erst nach ca.
10 Sekunden blieb die Uhr auf dem Display stehen," schildert der Franzose
sein Mißgschick, das ihn aber weder vom Klassensieg noch dem dritten Gesamtrang
abhielt.
Bei der 125ern gewann beider Tage Ex-Weltmeister Petteri Silvan, der damit zu
seiner Rückeroberung des Titels durchstartet. Und da bei den großen 4-Taktern
auch zunächst Mika Ahola die WM-Führung übernahm, muss man zusammen mit
Salminen und dem amtierenden Weltmeister Kari Tiainen den Finnen ein großes Lob
aussprechen. Sie sind langsam aber sicher zu einer internationalen Enduromacht
mit vielen Fahrern geworden: über 250er-Husqvarna-Sumuli Aro bis hin zu dem
zweiten bei den 125ern, Petri Pohjamo.
In der großen 4-Takt-Klasse ist zunächst einmal Ex-Weltmeister Anders Eriksson
am Zug: der Schwede konnte sich mit zwei zweiten Pätzen die Führung in der
Meisterschaft erkämpfen.
Am zweiten Tag, auf dem wesentlich trocknerem Untergrund hatten es die 250er in
der Gesamtwertung schon viel schwerer und Peterhansel kam nur noch auf einen
elften Gesamtrang. Dafür waren es aber die großen 4-Takter von Björne
Carlsson über Anders Eriksson und Kari Tiainen, die im Abstand von gerade
einmal 2 ½ Sekunden die Gesamtplätze zwei bis vier belegten.
Das 160 Teilnehmer starke Feld wurde immerhin durch 26 Deutsche Fahrer ergänzt:
Leider mußte Marko Barthel, der bis dahin noch auf dem sechsten Platz der
250er-WM geführt wurde den zweiten Tag vorzeitig beenden, weil er sich bei
mehreren Stürzen am ersten Fahrtag den gleichen Daumen wieder verletzte, wie im
Vorjahr. Nun wird er wohl die restliche WM-Saison ausfallen, um für die
Fortsetzung der deutschen Meisterschaft im September wieder 100%tig ft zu sein.
Nicht zufrieden mit sich war KTM-Teamkollege Christoph Seifert, obwohl er in der
großen 4-Takt Klasse einen hervorragenden elften und neunten Platz belegte!
Damit war er am zweiten Tag der schnellste Deutsche.
Der dritte Mann vom offiziellen KTM-Team, Arne Domeyer, der am Freitag seinen
25. Geburtstag feierte, verlor am ersten Tag 20 Minuten und wurde nur 15. in der
250er-4-Takt-Klasse. Ein aufgeworfener Stock hatte sich in seinen Kühler
gebohrt und er mußte den erst nach einer halben Runde wechseln. Sein neunter
Platz am zweiten Tag wurde damit gekrönt, dass ihm auf der Strecke ein
Zuschauer die Tags zuvor verlorene Gürteltasche mit allem Werkzeug und Zubehör
zurückgab.
125er Fahrer Dirk Schumann kollidierte am ersten Tag so heftig mit einem Baum,
dass er statt ins Ziel zum Röntgen ins Krankenhaus ging: Die Schmerzen waren
einfach zu heftig. Doch da es "nur" eine Prellung war, startete der
Husqvarna-Pilot am zweiten Tag mit ausreichend Schmerzmitteln gedopt und kam
immerhin auf den 23 Rang – unmittelbar vor Thomasw Schilcher, der bei seinem
ersten WM-Lauf am ersten Tag vorzeitig aufgab.
Ganz hervorragend schlug sich Dieter Weigl: Das anspruchsvolle Gelände war die
richtige Spielwiese für den Offroad-erfahrenen 250er-KTM-Piloten. Gerade in der
berüchtigten Steilauffahrt, die nur in der ersten Runde gefahren wurde, zeigte
er seine fahrerischen Qualitäten. Sein Lohn, am ersten Tag der 22. Platz direkt
vor WM-Neuling Swen Enderlein, der sich für einen Crosser ganz hervorragend
schlug.
Am zwiten Tag belegte Weigl den 24. Platz, während Enderlein mit dem 18. Rang
schon in die Nähe von WM-Punkten kam.
Pech hatte Peter Tressi bei seinem ersten WM-Lauf: nachdem er ausgefallen war,
holte er zu Fuß Hilfe und mußte dann aber feststellen, dass sein Motorrad
(immerhin mit Sölva-Gabel und Öhlins-Federbein ausgerüstet) spurlos
verschwunden war.
Sven Kiedrowski wurde am ersten Tag von der Technik besiegt, weil seine Husaberg
immer ausging und erst wieder ansprang, nachdem sie 20 Minuten später
abgekühlt war. Anscheinend war aber nur eine herausgedrehte
Luftregulierungsschraube der Fehler. Am zweiten Tag kämpfte er sich nach einem
heftigen Sturz noch mit einer übelen Fleischwunde im linken Arm auf einen 15.
Platz und somit wenigstens noch zu einem WM-Punkt.
Robert Pairan