Sebbb in Kanada und anschließend in der Türkei
Bericht und Fotos Sebb
Reisebericht Canada /Türkei Sept. 2001
Nachdem ich doch einen schriftlichen Beischeid Ende August
erhielt, dass die ausstehenden Kohlen für Juli August voraussichtlich
eintrudeln werden setzt ich mal wieder an den Compi. Diesmal aber nicht zwecks
Bewerbungen etc auch Schmuddelseiten ließ ich einfach links liegen. Ich begab
mich direkt zu LTUR und staubte ein Ticket nach Canada ab. Ein alter Freund von
mir den ich vom MUKITU oder auch etwas respektlos Kickspringen genannt
kenne, hatte die Überraschung gewonnen
mich 14 Tage beherbergen zu dürfen. Trotz aller Spontaneität –Du
Steven ich hab ein Ticket nach Vancouver und bin morgen da !- wurde ich herzlich
empfangen und an der Fähre nach Victoria abgeholt. In meinen ersten Eifer
dachte ich na ja Victoria Island werde ich auch mal kurz anschauen und dann noch
in ein paar National Parks im Westen fahren. Leider hatte ich nicht den Maßstab
der Karte in meinem Guidebook nicht so aufmerksam beachtet. Ein wenig später
wurde mit dann klar, dass das kleine Victoria Island so groß ist wie
Nordrheinwestfalen. Dadurch wurden meine Reisepläne geringfügig geändert.
Letztendlich schaute ich mir Victoria mit Stevens Fahrrad an und wurde zum ungekürten
Fachmann für waterproof and breathable Multipurpose Jacketts. Hintergrund dafür
war, dass ich mir eine Goretexausrüstung zum Snowboarden kaufen wollte. Also
wenn jemand da Infos braucht. Z.M.S.K. (zu mir sonst krachts !)
Trotz des aufreibenden Shoppens blieb noch etwas Zeit übrig, um einen Trip an die Westküste von Victoria Island nach Tofino zu machen. Tofino ist ein kleines Fischerdörfchen das in der Tourizeit ( Mai bis Ende August) die Einwohnerzahl verzehnfacht. Unweit davon ist Long Beach ein Surfereldorado für die ganz harten Freunde der Neoprenfreaks zu finden. Als harter Junge dachte ich, wenn die schon surfen, dann kann ich wenigstens mal kurz schwimmen gehen. Ich war auch im Atlantik schwimmen. Nach einem gemütlichen Einschwimmen von 1000m kam noch ein kleiner 500m Sprint gefolgt von 1000m cool down. Die Wahrheit ist, ich war drin, habe zwei Züge gemacht die mir jegliche Luft aus der Lunge gepresst haben und bin dann fix wie der Obersittenstrolch raus an den Strand. Es war so kalt, dass zu dieser Zeit eine Geschlechtsbestimmung selbst für einen erfahrenen Urologen/Gynäkologen eine Herausforderung gewesen wäre. Vielleicht fehlt mir ja nur das entsprechende Wohnmobil, um mich vorher aufzuheizen. -Grins-

In Tofino habe ich dann eine geführte Sea Kajak Tour mitgemacht auf eine kleine Insel. Auf dieser gab es eine Exkursion durch den Regenwald mit beeindruckenden Ausblicken. Das beeindruckende an Canada ist die Natur und die Tatsache, dass man beispielsweise nur mit dem Kajak aus dem Hafen um die nächste Bucht fahren muss, um in einen Flussarm zu fahren, wo bis zum Horizont kein Haus, kein Auto und kein anderer Mensch zu sehen ist.

Diese Einsamkeit in Kombination mit der Wahnsinnsnatur ist
für einen Westeuropäer einfach überwältigend und definitiv eine Reise wert.
Allerdings sollte man mindestens 4 Wochen Zeit mitbringen. Auf der Rückreise
habe ich viele Graue Panther Pärchen gesehen, die ihren Traum (Hallo Hannuta)
in die Tat umgesetzt haben und mit einer Harley auf den Highways unterwegs
waren. Alle hatten ein breites Grinsen auf dem Jethelm, was nicht nur an der
wunderschönen Landschaft im Canandian (Indian) - Summer lag! War da nicht
irgendetwas mit einer Harley geplant - nur die Strecke stand noch nicht
detailiert fest ?
Wieder zurück ging es mit der ganzen Familie Steven, Gertie, Lilli (2 Jahre und in der jeder Satz beginnt erst einmal mit NO-Phase), Isabel (8Wochenalt) und einem befreundeten Pärchen auch mit 9 Wochen altem Baby zum Camping über ein verlängertes Wochenende. Es war ein ununterbrochenes Gefresse und Gesaufe, das nur vom Schlafen zeitweise unterbrochen wurde. Auch ja da war dann noch ein Spaziergang, wo wir einen toten Seehund am Strand sahen. Er lag schon etwas länger da in praller Sonne, roch etwas streng und ein paar Witzbolde hatten dem Tier einen Apfel ins Maul geklemmt, dass es so aussah als lacht er. Auch unter den Canadiern sind richtige Schöngeister!

Nach dem Camping war ich ziemlich fertig und braucht etwas Erholung. Klar dass ich dann gegen Ende noch die Touri Attraktion Whale Watching mitmachen musste. Das Whale Watching fing schon an Land an, als sich ein derart fettes Amipärchen in die zikuszeltartigen wasserdichten Anzüge zwängten. Auf meinen Vorschlag doch etwas Walfett bereitzustellen, um ein flotteres Hineingleiten in die Anzüge zu bewerkstelligen, wurde leider nicht reagiert.
War natürlich klar dass Mr. und Mrs. Slimfast sofort auf die besten Plätze in der ersten Reihe stürzten. Für mich blieb dann auch noch ein Plätzchen neben den zwei Grazien. Man erkundigte ob ich auch genügend Platz hätte (1 Meter) worauf ich nur nickend etwas lächelte.
Als endlich alle Michelinmännchen auf dem Schlauchboot waren, ging es dann 45 Minuten über die See entlang der Küste. Kurz vor einer anderen kleinen vorgelagerten Insel waren morgens Orcas gesichtet worden. Dort angekommen sahen wir von weitem die Orcas in Rudeln die Lachse jagen. Langsam ließ der Kapitän das Boot in ihre Richtung treiben. Die kleinen netten Fleischberge schwammen dann direkt auf uns zu. Majestätisch glitten sie dahin und beachteten uns gar nicht. Ein Orca tauchte direkt unter unserem Boot durch. Nebenbei sei erwähnt, dass er mehr als die Hälfte in der Breite unseres Bootes maß. Alle waren doch recht dankbar, dass der Meeressäuger nicht gerade zum Luftholen auftauchen gedachte, als er unter uns war.

Wir waren in ein richtig großes Rudel geraten, das in
kleinen Gruppe aufgeteilt bestimmt 100 Tiere zählte. Teilweise tauchten die
Orcas nur 4 Meter vor unserem Boot auf und
sorgten immer wieder für Ohhhhhs, Ahhhs und Wowws. Trotz der 26 Grad waren alle
froh, dass nach einer Stunde wieder die Heimreise in den Hafen angetreten wurde.
Ach ja die Bin Laden Geschichte war auch ein großes Thema
für Canada, da danach für 5 Tage alle Flüge nach Vancouver umgeleitet wurden.
Ich hoffte schon auf eine fette Entschädigung von der Fluggesellschaft, aber
mein Rückflug war einer der ersten die wieder regulär flogen. Ich hatte echt
Glück gehabt, denn während der besagten fünf Tage wurden für die Fluggäste
zum einchecken Warteschlangen auf dem Parkplatz weitergeführt, da das gesamte
Flughafengebäude nicht mehr ausreichte ! Auf dem Heimflug(man musste 4 Stunden
vor Abflug da sein !) habe ich mich nur über meinen Sitznachbar gewundert, da
er sich einen Bourbon nach dem anderen reingeschüttet hat. Später wusste ich
dann wieso. Er war 4 Tage auf Standby am Flughafen !
Kaum zu Hause war ich schon wieder im Stress. Woher kriege ich Flugtickets zu Muttchen in die Türkei ? Internet ? -tolle Idee- aber leider Fehlanzeige! Nichts zu kriegen. Schließlich wurden Caro und ich bei einem Gastarbeiterflug fündig. Prima Sache und günstig.
Unten wurden wir standesgemäß mit dem 29 Jahre alten Käfer von Burhan abgeholt.
Erfahrungsgemäß artete fast jeder Tag in Stress aus: Frühstück im Hof – Strandbesuch Akkum – Nachmittagswhiskey – Abendessen- und nach einer Flasche Rake ermattet ins Lager sinken.
Nur der Tauchkurs den wir gemacht haben, gab uns etwas Zeit zur Erholung.
Der obligatorische Basarbesuch in Izmir wurde bereits am ersten Montag gemacht, um Klarheit in der Reisekasse zu schaffen. Für den neuen Job brauche ich ja noch ein paar Hemden. Die härteste Geschichte war unser Ausflug nach Cesme (Gürtel nach langem Handel gekauft) und in die naheliegenden warmem Thermalquellen im Meer in Ilica. Wer sich allerdings diese schön in Marmor vorstellt, wird seine Schwierigkeiten haben diese Quellen an einem Felsenpier gegenüber des Hafens zu finden. Provisorisch wurden ein paar Felsen mit etwas Beton verbunden und bilden so eine riesengroße Badewanne mit direktem (schwimmenden) Zugang zum Meer. Das Publikum –bei freiem Eintritt-war buntgemischt: ein dicker rosaroter Franzose, der schon im Wasser lag als wir kamen und noch darin blieb als wir nach 2 Stunden gingen! Oder die türkische Oma die mit voller Klamotte immer raus und rein ging. Ein türkisches Liebespaar, das sichtlich gerne allein hier gewesen wäre. Ein paar türkische Ehepaare die mit dem landestypischen Bier EFES eine nette Feier im Wasser abhielten. Der selbsternannte Bademeister und Masseur, der nur Lobreden einer schon etwas betagten Französin erhielt. Weshalb wohl ? Alles in allem war es mal wieder nett bei Muttchen in Siacik. Ein Bekannter hat auch eine eigene Homepage www.onur.de auf der das Örtchen Siacik beschrieben und mit Fotos gezeigt wird. Im Flugzeug haben wir eine Familie kennengelernt, die im Club Atlantis vom Veranstalter VIVA Surfreisen mit 2 Personen und 2 Kindern incl. Flug 3000,--DM bezahlt haben. Zur Info der Club liegt direkt am Badestrand Akkum mit eigener Badegrotte und einem gigantischen Meeresblick (besonders schön zum Sonnenuntergang). Die Clubanlage verfügt über einen KIDSCLUB (schöne Ferien für die Eltern) und bietet den Nachtservice alle 15 Minuten nach Kleinkindern zu schauen –wenn die Eltern gerade beim ramontischen Abendessen auf der Terrasse sitzen. Vielleicht ein Tipp für die Kinderbesitzer und für Surffreaks.