Joachim und Steeni auf Australien-Tour
Text + Fotos  Schoolboy Joachim, 
Steeni, KTM-Magazin
Auf den Spuren von Crocodilee Dundee

Sechsundzwanzig lange Flugstunden. Eine fast unendlich erscheinende Zeit bis zum anderen Ende der Welt. Endlich setzt der Jumbo zur Landung an, die Spannung steigt ins Unermessliche. Was erwartet uns hier in Perth, der Hauptstadt Westaustraliens? Werden wir in den vier Wochen die 7.000 Kilometer bis in den Norden nach Darwin schaffen? Es ist Ende der Regenzeit, wie wird das Wetter im Norden sein? Eine gewisse Erleichterung verspüren wir erst am nächsten Morgen, als wir vor unseren brandneuen 640er Adventures stehen. Die idealen Motorräder für eine so anspruchsvolle Tour. Und in ihren silbernen Tanks spiegelt sich der wolkenlose tiefblaue Himmel. Na wenn das mal kein guter Anfang ist.

Erst die Vorbereitungen …
Doch bevor wir uns in den Sattel schwingen können, steht noch ein stressiger Tag zur Vorbereitung der Motorräder an. Von unseren vergangenen Touren durch andere Kontinente haben wir eine ausführliche Checkliste zusammengestellt. Verschiedene Spezialteile bringen wir in unserem Reisegepäck mit. So wird als erstes das GPS montiert. Der Stecker dafür ist am Motorrad schon serienmäßig, Adapterplatte ist eine Selbstanfertigung, auf weichen Silentblöcken an der Lenkerbrücke gelagert. Acerbis-Wasserflaschen montiere ich am Zubehör-Roadbook-Halter, während mein Freund Jörg Reserve-Seilzüge unter dem Tank verlegt. Gleichzeitig prüft er alle Schrauben, einige sichert er zusätzlich mit Loctite. Wo immer sich Platz anbietet, befestigen wir Ersatzteile und Werkzeug, wie zum Beispiel Zündkerze mit Schlüssel, Kupplungs- und Schalthebel sowie Kettenschlösser an dem Cockpitgestell. Draht schieben wir durch kleine Bohrungen in den hinteren Rahmenausleger, damit kann man allerlei Sachen notdürftig befestigen. Eine Rolle Tape wickeln wir oben um den vorderen Bremsschlauch auf. Gut erreichbar nimmt es somit keinen zusätzlichen Platz weg. Wir haben extra-dicke Schläuche von Metzeler dabei, die wir gegen die leichteren Serienteile auswechseln. Das Felgenbett wird dabei mit Tape abgeklebt, bei einem Plattfuß verrutscht das nicht. Die ausgetauschten Schläuche dienen nun als Ersatzschläuche, fixiert am vorderen Kotflügel mit Gummis und Kabelbindern. Sechs Stickstoffpatronen pro Moped tapen wir an das Rahmenheck. Zwei davon reichen für einen Hinterreifen, vorausgesetzt man hat vorher den Nagel herausgezogen und den Schlauch geflickt. Von meinem letzten Rallyeeinsatz schrauben wir stabile Bodenplatten mit angeschraubtem Wasserkanister sowie Werkzeugbox aus Aluminium unter den Rahmen. Somit kommen wir zusammen mit Camelbag auf Trinkreserven von fast sechs Litern pro Nase. Ölfilter sowie je drei Ersatzluftfilter sind
leicht, die kommen in den Rucksack (die alten eignen sich übrigens bestens zum Feuermachen). Am Stahlgepäckträger schweißen wir zusätzliche Ausleger mit Befestigungsösen an, damit wir das wenige und damit um so wertvollere Gepäck sicher bei uns behalten. Neben dem ohnehin gut verwendbaren Boardwerkzeug packen wir noch Leatherman und Bits hinzu und… oh Gott! Es ist Freitag Nachmittag. Wir müssen noch zur Bank, und Detailkarten braucht es auch noch und außerdem …

… und dann das Vergnügen
Um acht Uhr abends fallen wir wie tot ins Bett. Kein Wunder bei neun Stunden Zeitverschiebung und nach je einer Flasche westaustralischem Shiraz. Das soll Urlaub sein? Nein, aber es gehört zu einer langen Abenteuer-Tour dazu. Unser Urlaub beginnt so richtig, als wir die ersten 1500 Kilometer entlang der Küste hinter uns haben. Vor uns liegt das Ningaloo Reef. Mit Schnorchel und Brille tauchen wir ein in das warme Nass. Nur hundert Meter sind es vom Strand bis zu den faszinierendsten Korallen. Und Fische in den vielfältigsten Farben, zum Anfassen nah, Schildkröten und … ein prächtiger Riffhai. Ich wusste gar nicht, dass Jörg wirklich so schnell schwimmen kann. Szenenwechsel: feiner roter Staub begleitet uns auf einsamen Spuren tief ins Outback zum Mount Augustus. Dieses mächtige Felsmassiv ist eine heilige Stätte der Aborigines und es gilt außerdem als der älteste Monolith der Erde. Nicht so markant (weil bewachsen) wie der berühmte Bruder Ayers Rock, ist er vor allem wegen den zahlreichen Felszeichnung mindestens genauso eindrucksvoll. Zwei Stunden mit Vollgas über einen menschenleeren Strand zu brettern, davon kann man als Europäer gerade nur träumen. Für uns ist der Eighty Miles Beach eine willkommene Abwechslung auf dem Weg zu den Kimberleys. Dieses Gebiet, so groß wie die BRD, ist eine Art losgelöste Scholle auf dem 5. Kontinent, die während der Regenzeit völlig von der Außenwelt abgeschlossen ist. Daher auch die unfassbare Bevölkerungsdichte: ein Mensch hat ganze 25 Quadratkilometer für sich allein. Die Zufahrten zu pittoresken Canyons über die Gibb River Road verlangen jedem Hard-Enduro-Fahrer einiges ab. Schlamm und Wasser im ständigen Wechsel. Der Lohn dafür sind die beeindruckendsten Naturschauspiele in einer noch im Schlaf liegenden Landschaft. Leider ist es mit dem Platz für ausgedehnte Geschichten etwa so wie mit der Zeit für solch eine interessante Adventure Tour: man hat immer viel zu wenig davon. Aber eines wissen wir heute schon ganz sicher: wir werden zurückkehren auf diesen faszinierenden Kontinent, es wird gar nicht lange dauern!